Wer Kunst kauft, investiert immer auf mehreren Ebenen: in die Werke selbst, ins Prestige und die kunstgesellschaftlichen Kreise, die Erweiterung seines Horizonts und natürlich auch in die Aussicht der Vermehrung des Geldes. Das kann besser oder schlechter ausgehen.

Dass Kunstliebhaber mit ihrem Engagement auch viel Geld verdienen können, weiß man. Ein Blick in die Versteigerungskataloge der großen Auktionshäuser genügt. Aber funktioniert das Prinzip auch andersherum, Kunst nicht als Objekt der Begierde, sondern als Objekt der Anlage? Den Eindruck erwecken in jüngster Zeit Studien, Broschüren, Publikationen, Ratgeber und die gerade erschienene Dreimonatszeitschrift artInvestor, die alle ein Thema haben: Kunst als Anlage.

Zielobjekt ist also nicht der Kunstliebhaber, der, da kann das Leben zum Roman werden, 19. Jahrhundert, im Notfall bereit wäre, sich zu verschulden und um Kopf und Kragen zu bringen, sondern der coole, auf die Rendite schauende und langfristig investierende Rechner. Der Typ des Anlegers also, der immer dann Ausschau nach alternativen lukrativen Investitionsmöglichkeiten hält, wenn die Börse mal wieder wackelt. Einen Teil der guten Verkäufe auf der jüngsten 32. Art Basel schreiben Insider genau diesem Umstand zu.

Still und ohne großes Aufsehen lagerte die Luxemburger DG-Bank vergangenes Jahr mehr als hundert Gemälde der klassischen Moderne bei einer Kölner Spedition ein, die 1997 unter großem Aufsehen als Bestand des ersten Global Art Funds präsentiert wurden, der Investoren Gewinne versprach. Thomas Freund, Sprecher der Luxemburger Bank: "Das Produkt war noch nicht marktreif, die Anleger ließen sich lieber von der Euphorie der Neuen Märkte anstecken."

Also legte man das Projekt ad acta, zahlte die Anteilszeichner aus, will in Zukunft aber ohne Eile die Werke im Wert von schätzungsweise rund 16 Millionen Mark teils über den Handel, teils auf Auktionen veräußern. Thomas Freund: "Sie werden ja nicht weniger wert." Postiv gewendet, mag man das als ein unfreiwilliges Kunstinvestment in eigener Sache betrachten.

Bei der Dresdner Bank, deren Kunstmarktexperte Wolfgang Wilke in einer Studie zu dem Schluss kommt: "Die Investition in Kunstwerke ist auch aus finanziellen Gründen hoch interessant und bei der Diversifikation größerer Vermögen empfehlenswert", legte man ebenfalls Überlegungen für einen Kunstfonds zunächst wieder auf Eis. Karin Heyl, bei dem Bankhaus zuständig für den Bereich Kunst und Wissenschaft und Vorstandsmitglied der Jürgen Ponto-Stiftung: "Ich glaube nicht, dass Kunst sich als reine Anlage auszahlt, da hat man nur eine Chance über die Kunstleidenschaft."

Ob nun der stocknüchterne Kunstinvestor eine Wunschvorstellung derer ist, die ihm ihre Dienste anbieten wollen, oder wirklich existiert, beim Investieren muss er doch nicht allein durch das Gestrüpp der schönen Künste stolpern.