Manfred Rommel: Holzwege zur Wirklichkeit. Meine derzeitige Weltsicht

Hohenheim Verlag, Stuttgart/Leipzig 2001

399 S., 39,80 DM

Manfred Rommel führt seine Leser nicht in Waldestiefen auf Stolper- und Schlaglochfurchen, sondern auf gewundene, aber ausblickreiche Panoramawege oder, schwäbisch zu sprechen, manches lichte "Königssträßle". Auch der sprichwörtlich verrufene "Holzweg" bringt ihn im Sinne Heideggers der Erkenntnis näher, und selbst der eine oder andere Trampelpfad wird nicht verschmäht.

Stuttgarts langjähriger Oberbürgermeister, 1996 vom Rathaus an den schon zuvor vielfältig erprobten Schreibcomputer gewechselt, setzt seine Autorenkarriere mit dem bereits zehnten Opus fort, und man muss kein Prophet sein, wenn man von den Holzwegen den weiteren Ausbau seiner keineswegs nur regionalen Popularität erwartet. Wieder nämlich würzt Rommel seine Betrachtungen, auch manche ernsteren, bildkräftig mit hintergründigem Humor und verblüfft mit dem Geschick, einen Gedankengang durch eine griffige Maxime zu pointieren.

"Die Praxis läßt sich, wenn überhaupt, nur selten für längere Zeit von einer Theorie einfangen", lautet eine für seinen politischen wie philosophischen Pragmatismus bezeichnende Einsicht. Rommel ist ein liberaler Kopf, ein frankophiler Europäer und ein bekennender Schwabe. Ideologien und Illusionen werden, meist witzig und sarkastisch, aber niemals eifernd demontiert. Das Buch besteht aus zahlreichen kurzen Kapiteln, die auf Zeitungsaufsätze zurückgehen, aber geschickt miteinander verzahnt sind. Von Hegel und Hitler, von Welt- und Rathauspolitik, vom Alltags- und Arbeitsleben, von Kultur und Medien ist die Rede, nicht zuletzt auch von heimischen Phänomenen wie der schwäbischen "Sparlust". Manchmal scheint der Autor ja offene Türen einzurennen, doch wenn man ihm über die Schwelle folgt, registriert man, dass die Tür eben dabei war, wieder ins Schloss zu fallen.