An literarischen Köpfen fehlte es der Revolution in Nicaragua nicht, damals vor zwei Jahrzehnten. Zu den bekanntesten Namen gehörten Gioconda Belli und Ernesto Cardenal. Sie galten als die poetischen Bannerträger im Befreiungskampf gegen die Diktatur Somozas. Anders aber als Cardenal, der religiös inspirierte Humanist, gab Gioconda Belli nicht nur ein ehrwürdiges, sondern wahrhaft aufregendes Bild ab: als Frau, Kämpferin, Poetin. Sie schrieb Verse, die eine weibliche Rundum-Perspektive eröffneten.

Menstruation, Sex und Mutterschaft kamen darin genauso vor wie die aufrührerische Parteinahme fürs unterdrückte Volk. "Vaginalpoesie", lästerte man in den Bürgersalons von Managua. Doch die Dichterfreunde applaudierten.

Die poetische Leistung war nicht ganz so groß wie die emanzipatorische, aber auf Letztere kam es der jungen Autorin ja hauptsächlich an.

Kein Wunder, dass sie den Damenkränzchen der Oberschicht ade sagte und sich als compañera auf die Seite der Guerilleros schlug, wo übrigens auch viele andere Frauen aktiv waren. Gioconda Belli allerdings taugte besonders gut zur lebenden Allegorie von Liebe und Revolution, ein Begriffspaar, das damals viele Herzen hoch schlagen ließ.

All das passiert noch einmal Revue in Die Verteidigung des Glücks, Gioconda Bellis Erinnerungen an Liebe und Krieg. Die Revolution ist heute fast vergessen, und ihr geliebtes Nicaragua nimmt im Hinterhof der USA wieder einen dunkleren Winkel ein. Ihre Poesie entlädt sich nicht mehr "wie ein Gewittersturm"

die Prosa hat an Raum gewonnen in mehreren Romanen, darunter Bewohnte Frau und Tochter des Vulkans. Trotzdem kann sie von einem interessanten, wechselhaften, engagierten, alles in allem geglückten Leben berichten - geglückt vor allem deshalb, weil sie sich darin als Akteurin behauptet hat.

Und so erzählt sie denn auch mit Schwung und Temperament frisch von der Leber weg. In der lateinamerikanischen Literatur läuft das unter dem Genre testimonio.