Zum 100. Mal jährt sich in dieser Woche der Geburtstag eines Mannes, der mit seinen ökonomischen Ideen wie wenige andere die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bestimmt hat: Alfred Müller-Armack, geboren am 28.

Juni 1901, Volkswirtschaftler und Erfinder des Begriffs der sozialen Marktwirtschaft. Müller-Armacks Leitbild - eine liberale Marktwirtschaft, die in soziale Bindungen eingebettet ist - wurde zum Markenzeichen des Wirtschaftswunders der Nachkriegszeit, war Vorbild für die Politik Ludwig Erhards und für das "Modell Deutschland" von Helmut Schmidt.

Es war keine "Marktwirtschaft ohne Adjektiv", es war keine angelsächsische Marktwirtschaft à la Margaret Thatcher - die soziale Marktwirtschaft steht für ein ganz eigenes rheinisches Modell. Das bedeutet: eine Marktwirtschaft mit Monopolaufsicht, mit Kartellgesetzgebung, mit einem sozialen Ordnungsrahmen, ja sogar mit der Korrektur von Marktpreisen, wenn diese nicht die wahren ökonomischen Kosten widerspiegeln. Aus diesem Leitbild - ergänzt durch die makroökonomischen Instrumente Karl Schillers, insbesondere das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz, das als Magna Charta der modernen Konjunkturpolitik bezeichnet wird - entstand das Modell eines sozial verantwortlichen Kapitalismus.

Dieses Modell, das von allen politischen Kräften Westdeutschlands getragen wurde, hat nichts an Stahlkraft verloren. Allerdings haben sich Wirtschaft und Gesellschaft durch die Globalisierung verändert, sodass Müller-Armacks Idee um neue Ecksteine ergänzt werden muss.

Unsere Gesellschaft braucht in einer veränderten Weltwirtschaft das Leitbild einer neuen sozialen Marktwirtschaft, das auf den Leitgedanken von Ludwig Erhard und Karl Schiller aufsetzt, sie aber um vier Elemente erweitert:

Erstens: In der neuen sozialen Marktwirtschaft muss ein anderes Konzept des sozialen Zusammenhalts als in der Nachkriegszeit gefunden werden. Der Sozialstaat muss mehr auf Subsidiarität und mehr auf Eigenvorsorge setzen.

Sämtliche Systeme sollten, dem "Schweizer Modell" folgend, zwar eine beitragsfinanzierte Grundsicherung für alle, aber darüber hinaus private individuelle Vorsorgesysteme vorsehen. Die Rentenreform geht in diese Richtung.