Der britische Schatzkanzler Gordon Brown hört auf die Ökonomen. Sein Chefberater Ed Balls ist ein "Whiz Kid" mit hochdekorierten Abschlüssen aus London und Harvard, und auch seine anderen Einflüsterer sind hochrangige Professoren. Doch für die kniffligste Aufgabe der britischen Wirtschaftspolitik ist bislang keinem der Experten eine Lösung eingefallen: Brown will, dass die Wirtschaft deutlich schneller wächst.

Zwar verlief die Konjunktur in den vergangenen Jahren besonders günstig, aber Konjunktur kommt und geht. Langfristig steht Großbritannien im internationalen Vergleich äußerst mäßig da. Das Wachstumspotenzial bleibt hinter den USA und den großen europäischen Nachbarn zurück.

Zur Erklärung des Problems setzen Brown und seine Berater auf die Wissenschaft, genauer auf die so genannte Neue Wachstumstheorie. Demnach wird eine Ökonomie vor allem durch Investitionen in Kapital und Humankapital angetrieben (denn je mehr man in Anlagen und Leute investiert, desto mehr Know-how sammelt sich an). Woraus sich im Grunde eine einfache Politikempfehlung ableitet: mehr in diese Dinge investieren.

Das Problem ist die Umsetzung. Labour hat den Wiederaufbau der herabgewirtschafteten Schulen längst in Angriff genommen - doch bis sich diese Reformen im Wachstum niederschlagen, ist Tony Blair womöglich schon Rentner. Kurzfristiger könnten Pläne greifen, den britischen Kapitalstock zu erhöhen: Viele Branchen investieren nämlich weniger in Anlagen und Maschinen als ihre Wettbewerber im Ausland. Orthodoxe "Heilmittel" hat Brown schon ausgeschöpft: Er machte die Notenbank unabhängig, veröffentlicht Fünfjahrespläne für seine Ausgaben und predigt Stabilität. Das soll die Welt für Unternehmer berechenbarer machen und Investitionen fördern.

Weil ihm das aber noch nicht genug ist, hat der Finanzminister in den vergangenen Jahren mit einer Fülle von Wachstumsinstrumenten experimentiert - bis ökonomische Puristen schon die Nase rümpften, der Staat doktere zu viel in der Wirtschaft herum. Es gab Steuererleichterungen für Wagniskapital, dazu Regionalfonds für langfristige Anleger - und sogar öffentliche Schelte für Schlusslichter. Brown ließ Listen von Industrieunternehmen veröffentlichen, die weniger produktiv sind als ihre ausländischen Mitbewerber. In der gerade begonnenen Legislaturperiode will Brown noch einmal kräftig nachlegen. Seine neuesten Ideen zur Wachstumsförderung reichen von harten Antikartellgesetzen bis hin zu mehr Schulunterricht in Sachen Unternehmertum.