Stille Post ist ein schönes Spiel. Man summt dem besten Freund einen Hit ins Ohr. Der summt ihn dann seiner Liebsten. Nach jeder Station hört sich das Ergebnis ein wenig anders, aber immer noch vertraut an. Ungefähr so wie Sing, die letzte Single von Travis.

Schon andere Bands haben eingängig-harmlose Songs gemacht, die klangen wie zwei Dutzend andere, die man seit der Kindheit zu kennen meint, aber deren Titel man leider vergessen hat. Travis allerdings sind Avantgarde darin, ein ganzes Album daraus zu machen. The Invisible Band (Independiente/Epic/Sony), ihr neues, besteht ausschließlich aus Gitarrensongs, die den Süßstoff zum Grundnahrungsmittel erheben.

Abzusehen war es ja. The Man Who, ihr letztes, lag zwar ein Vierteljahr unberührt in den Plattenläden der weiten Welt, eine mittlere Ewigkeit im Popgeschäft. Es schien Opfer des Abschwungs des Verkaufsarguments Britpop zu werden, bevor der Sack voll Balladen allein durch Mundpropaganda an die Spitze der Charts in aller Herren Länder gelangte und sich schließlich zweieinhalb Millionen Mal verkaufte. Es handelt sich eben um Musik, die so selbstverständlich klingt wie der eigene Herzschlag kurz vorm Einschlafen - und auch in etwa so aufregend: ein Mantra auf die Maltose, ein Antidot gegen das Maliziöse.

Die Band aus Glasgow kultiviert ihr Un-Image weniger, als dass sie es dahergammelt. Es geht nicht darum, sich wie andere heldenhaft gegen die Medienmaschinerie zu wehren, sondern in Interviews noch unglamouröser zu wirken als noch der ödeste Gast eines Nachmittags-TV-Talks. Und sich nicht mal was dabei zu denken. Travis ist wohl die einzige Band weltweit, bei der Verweigerung ohne Konzept und Inhalt auskommt, allein aus einer durch und durch langweiligen Durchschnittlichkeit der Protagonisten erwächst. So freundlich und unaufregend wie Sänger und Songschreiber Fran Healy sind nur noch seine Songs. Auch sie leben von einer alles beherrschenden Nettigkeit, von vorsichtig klampfenden Akustikgitarren und halbwegs elegischen Melodien, die einem versprechen, man sei vor Überraschungen gefeit. Niemals, nicht mal einen kurzen Moment brechen die Lieder aus dieser halbschnellen, lieb plätschernden Mittelmäßigkeit aus. Könnte man das Gefühl zu Hause hören, es klänge wohl wie Travis.

Umgekehrt wird der Alltag des Hörers zum Fest erhoben. Das Hymnische, zu dem diese Musik auch hindrängt, gibt der Gewohntheit eine edle Note. Daheim mag es langweilig sein, aber wir sind bestens eingerichtet. Das kommt gut. Fast wie eine Droge. Probieren Sie es einfach selbst einmal aus. Am besten beim Stille-Post-Spielen.