Sie signierte ihre "Töppe" einfach mit HB. Dort, wo am noblen Tässchen sonst gekreuzte Schwerter oder stilisierte Krönchen wachen. Ihre Initialen standen nicht immer genau in der Mitte, waren aber deutlich zu erkennen. Und weil sie selbst statt im Atelier immer nur in der "Werkstatt" saß und statt von ihrem Unternehmen in Marwitz bei Velten lapidar von der "Bude" sprach und ihre Kunst ("Kunst? Ach Gott, ja manche nennen es so ...") lieber Kannen und Teller für jede Gelegenheit nannte, gefiel es, dass man sie zur Vollenderin des Einfachen machte. Nun hat sich, am 8. Juni dieses Jahres, ihr Leben vollendet. Hedwig Bollhagen - geboren 1907 in Hannover - starb als Grande Dame der handgemachten Keramik in Deutschland. Ein Widerspruch, der sich in ihrer Person auflöste. Eine Legende mit einer blauweißen Schürze und schlohweißen Haaren, konnte sie zu Lebzeiten sehen, wie ihre "Töppe" Einzug hielten in Kunstmuseen, Galerien und Sammlungen.

Das machte sie froh und kümmerte sie wenig. Weil es nicht hieß, dass sie auf Ausstellungen in Kaffeehäusern verzichtet hätte. Denn unberührbare Vitrinenstücke wollte sie nie fabrizieren. Ihre Kannen und Teller, Tassen und Schalen waren für den Alltag gedacht. Die Form hatte ihrem Zweck zu entsprechen, und die Schönheit bekam das Unikat durch seine Bemalung. Durch sein Dekor. Ganz typisch für HB waren Fadenkaros und blau-weiße Bänder.

Schlicht, aber ebenso beliebt: ein hellblauer und ein dunkelblauer Punkt.

Oder poetisch: "dunkelblaue Os, gelb schattiert". Oder nahezu mathematisch: Rhombenmuster auf bauchigen Fayencen.

Hedwig Bollhagen hatte ihre Werkstätten als 27-jährige Frau gegründet, und hier geschah ihr Wille. Während der schweren Kriegsjahre und danach waltete sie allein. Sie hat zu DDR-Zeiten die Enteignung und nach der Wende die Jahre der Reprivatisierung durchgestanden. Vor ihrem Tod hatte sie die HB-Werkstätten für Keramik Marwitz noch in die Obhut der neuen künstlerische Leiterin Heidi Manthey gegeben. Auch die Internet-Präsenz ist gesichert. Der Verkauf läuft weiter. Trotzdem wird etwas unnachahmlich bleiben. Jene gelebte Handschrift, die H. B. als ihr Dekor auf die Keramik übertrug, wurde tief in ihrem Innersten entworfen. Das waren nicht nur Spuren vom Eintauchen, Tupfen, Spiralendrehen oder Bänderziehen. Die Farbspuren entsprangen ihrer Lebensharmonie, die sie einfach "nicht eingehen ließ."

Das Berliner Kunstgewerbemuseum zeigt jetzt 80 keramische Arbeiten von Hedwig Bollhagen in einer Gedenkausstellung.

Bis zum 30. September, einige Exemplare eines Katalogs von 1994 sind noch im Museum zu erhalten