Für mich ist dies eine ganz besondere Woche. Ich spiele zum ersten Mal bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg mit. Und: Es wird das letzte Mal sein, dass auf den Plakaten der Name Dolly Dollar auftaucht. Danach gibt es nur noch die Schauspielerin Christine Zierl. Der Name steht schließlich in meinem Pass. Die sexy Blondine, das Busenwunder, als das ich früher bekannt war, die bin ich a) nicht mehr wirklich, und b) gibt es tausend andere, die das jetzt viel besser können. Dem Charakter bin ich entschlüpft.

Am DONNERSTAG sind die zweite und die dritte Vorstellung vom Schatz im Silbersee. Premiere war am Samstag

Bundespräsident Johannes Rau und Ministerpräsidentin Heide Simonis waren auch da. Ich spiele die weibliche Hauptrolle, die Ingenieurin Ellen Patterson. Sie ist ziemlich taff, in einer Szene schlägt sie einen Banditen k.o. Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte mit Old Firehand, der von Horst Jansson gespielt wird.

Am FREITAG stehe ich um halb sieben auf, mache meine Söhne Leander, 6, und Valentin, 8, fertig für die Schule und erledige alles, was eine normale Hausfrau so macht. Dann setze ich mich ins Auto und fahre nach Bad Segeberg, von Lütjensee aus, wo ich wohne, brauche ich nur 20 Minuten. Heute gibt es wieder zwei Vorstellungen. Die erste fängt um 15 Uhr an. Zwei Stunden vorher muss ich da sein, Maske und Kostümanprobe dauern circa eine Stunde. Dann eine Stunde Warten bis zum Vorstellungsbeginn. Die Vorstellung selber dauert zwei Stunden. Wieder eine Stunde Pause, bis die Vorbereitungen für die Abendvorstellung um 20 Uhr anfangen.

SAMSTAGMITTAG bringe ich die Kinder zu ihrem Vater, dem Schauspieler Helmut Zierl, mit dem ich zwölf Jahre verheiratet war. Wir leben seit einem Jahr getrennt, aber nur wenige Kilometer auseinander. Die Scheidung zieht sich hin, es ist einfach zu viel los. Eine anstrengende Zeit liegt hinter mir, jeden Tag bis zu dreizehn Stunden Probe. Und jetzt 72 Vorstellungen bis zum Ende der Spiele am 9. September. Ein ganz schöner Brocken nach zehn Jahren Theaterabstinenz der Familie wegen.

Am SONNTAG trinke ich mit meiner Mutter, die aus Bayern zu Besuch da ist, Kaffee auf der Terrasse. Heute ist nur eine Vorstellung, und ich freue mich, Zeit für meine Söhne zu haben.

Ab MONTAG habe ich drei Tage frei von der Schauspielerei. Ich muss aber im Training bleiben, als Silbersee-Ingenieurin muss ich reiten wie der Teufel.