Manch unvoreingenommener Beobachter wird sich unwillkürlich gefragt haben: Warum denn nicht gleich so? Nach dem Urteil des Berufungsgerichts im Kartellverfahren gegen Microsoft am Donnerstag der vorigen Woche fühlten sich alle Beteiligten als Sieger. Firmengründer Bill Gates freute es, dass die angedrohte Zerschlagung seines Unternehmens nicht real wurde. Dagegen stellten Microsoft-Kritiker zufrieden fest, selbst ein bekanntermaßen konservatives Gericht halte die weltgrößte Softwareschmiede für ein Monopol.

Ihre Interpretation: Das Unternehmen muss jetzt vorsichtiger sein.

Nur einen offensichtlichen Verlierer gibt es: Thomas Penfield Jackson, den Richter der ersten Instanz. Er wurde von seinen Kollegen aus dem Verfahren, das sie zur Neuverhandlung zurückverwiesen haben, entfernt - wegen Anscheins von Befangenheit. Jackson hatte seiner Frustration kurz nach seinem damaligen Urteil Luft gemacht. "Wenn ich freie Hand gehabt hätte, dann müsste Bill Gates einen Schulaufsatz über Napoleon Bonaparte schreiben - damit ihm seine Arroganz vergeht", sagte der Richter damals.

Was nun? Angesichts der Tatsache, dass in Washington die Republikaner regieren, wird das Kartellverfahren wohl in einem Vergleich enden. Das Resultat lässt sich erahnen: Microsoft wird versprechen, künftig sein Monopol nicht mehr zu missbrauchen, und eine Geldstrafe für seine Missetaten zahlen - kein Problem für ein Unternehmen, das mehr als 30 Milliarden Dollar auf der hohen Kante hat. Und wenn die Wettbewerbshüter Rückgrat zeigen, dann werden sie dem Softwarekonzern sogar einige Verhaltensmaßregeln auferlegen.

In der Praxis wird sich Microsoft allerdings wenig um solche Regeln kümmern - wie schon ein ähnlicher Vergleich 1994 gezeigt hat. Zudem dürfte eine mögliche Einigung die zentrale Frage in Sachen Microsoft offen lassen: Darf das Unternehmen seinen Herrschaftsbereich ausdehnen, indem es sein Windows-Monopol als Sprungbrett für neue Programme und Dienste nutzt? Das Fehlen einer passenden Zwangsjacke für den Softwareriesen hätte allemal unschöne Folgen, die nicht nur Kenner von Bits und Bytes angehen, sondern alle Netzbürger: Er könnte in Zukunft das Internet genauso kontrollieren wie heute schon die Personalcomputer.

Die Verhandlung vor dem Berufungsgericht im Februar ließ einen Freispruch erster Klasse befürchten. Die sieben Richter, mehrheitlich von republikanischen Präsidenten ernannt, bombardierten die Anwälte der Kartellwächter mit kritischen Fragen. Doch am Ende mussten sich die Juristen der Last der Tatsachen beugen. Es lässt sich nicht daran deuteln, dass Microsoft mit dem Betriebssystem Windows, das mehr als 90 Prozent aller PCs antreibt, ein Monopol besitzt. Deswegen ist vieles wettbewerbswidrig, was Microsoft Mitte der neunziger Jahre gegen den Konkurrenten Netscape und seinen damals marktführenden Browser unternahm, argumentiert das Gericht.

Was die Gretchenfrage des Verfahrens angeht, entschieden die Richter allerdings eher im Sinne von Microsoft - und gegen ihren Kollegen Jackson.