Hat Vincent Bolloré langfristig geplant? Schon vor zwei Monaten kaufte sich der französische Geschäftsmann und Finanzier mit 1,2 Milliarden Franc bei Italiens Mediobanca ein. Jetzt übernimmt Fiat im Verbund mit Frankreichs Stromriesen EdF den Mischkonzern Montedison, den Mediobanca bislang kontrollierte, und Bollorés Investition rentiert sich mit einem Mal prächtig.

Innerhalb von zwei Monaten hat sich der Wert seiner Mediobanca-Anteile um rund 100 Millionen Mark erhöht. Nicht nur dies: Neben dem Fiat-Ehrenpräsidenten Giovanni Agnelli und EdF-Chef François Roussely spielt "Bollo" jetzt ausgerechnet als Franzose eine gewichtige Rolle beim Umbau der Italien AG.

Der 48-jährige Bretone ist immer dort anzutreffen, wo Unternehmen ihren Besitzer wechseln, und nicht selten verdient er dabei kräftig mit. "Raider" nennen sie ihn in seiner Heimat. Seine weit verzweigte Finanzholding kontrolliert von Tabak- über Gummi- bis Transportfirmen eine ganze Reihe börsennotierter Unternehmen, die auch in Afrika und Asien aktiv sind. Mit einem Umsatz von mehr als 33 Milliarden Franc im Jahr 2000 gehört Bollorés Gruppe zu den 200 größten Unternehmen in Europa.

Den Eintritt in die italienische Gesellschaft hat Bolloré sich über seinen Landsmann Antoine Bernheim verschafft. Der 76-Jährige ist bereits Vizepräsident der Investmentbank Mediobanca sowie der Versicherung Generali, der eigentlichen Schaltstelle der italienischen Wirtschaft. Generali wiederum hält zehn Prozent an Mediobanca. So ist der "Raider" jetzt ins Herz des italienischen Kapitalismus vorgedrungen, amüsiert sich prächtig, und südlich der Alpen haben sie "Raider" schon übersetzt: Sie nennen ihn "Scaltore".