Kauft SAP das Unternehmen Intershop? Passt Consors in den neuen Allfinanzkonzern aus Allianz und Dresdner Bank? Oder wird T-Online von dem italienischen Internet-Provider Tiscali übernommen? Häufig heißt die Antwort der betroffenen Firmen zwar "völliger Unsinn" oder "wir wissen nichts davon".

Dennoch reichen oft schon Gerüchte, um die Kurse der am Neuen Markt gehandelten Übernahmekandidaten steigen zu lassen.

Der Aktienkurs des Informationstechnologie-Spezialisten Heyde beispielsweise hatte sich Ende April sprunghaft etwa verdreifacht, weil ein Investor angeblich das Unternehmen kaufen wollte. Mittlerweile ist der Kursgewinn schon fast wieder dahin. Erstens hat sich der geheimnisvolle Aufkäufer nicht gezeigt. Zweitens wirtschaftet Heyde nicht besser, bloß weil dort vielleicht ein Interessent vor der Tür steht.

Ohnehin sind "viele der vermeintlichen Übernahmekandidaten eigentlich die Gestrauchelten", warnt Dirk Schmidt von Hornblower Fischer. Das belegt auch die Erfahrung, dass ein Großinvestor bisweilen versucht, den ohnehin niedrigen Aktienkurs des Kandidaten noch weiter zu drücken. Das Beispiel der EM.TV-Aktie zeigt darüber hinaus, dass eine Übernahme nicht immer den Aktienkurs nach oben treibt. Trotz des Einstiegs von Kirch hat sich die Börsenbewertung von EM.TV nicht gebessert. "Die Aufkäufer sind in der Regel erfahrene Unternehmen, die keine dicken Prämien zahlen", weiß Götz Albert vom Analysehaus Independent Research.

Pure Zockerei ist es also, wenn ein Anleger auf den Verdacht eine Aktie kauft, das Unternehmen werde übernommen. Das gilt noch aus einem anderen Grund: Am Neuen Markt werden oft nur wenige Stücke gehandelt, und ein solcher Wert lässt sich mit blind in die Welt gesetzten Gerüchten verhältnismäßig leicht manipulieren. Schnellt der Kurs einer Aktie dann in die Höhe, greift kein scharf kalkulierender Aufkäufer mehr zu. Lediglich die Verursacher des Gerüchts und ihre frühesten Mitläufer, die rasch genug ein- und wieder ausgestiegen sind, streichen einen Gewinn ein.

Wer trotzdem mitpokert, sollte sich mögliche Paarungen genau ansehen - zum Beispiel beim Direktbanker Consors. Neben der Comdirect (Commerzbank) und Direktanlagebank (HypoVereinsbank), die zu großen Privatbanken gehören, steht der unabhängige Finanzdienstleister fast wie ein Waisenkind da. Experten glauben, dass Consors gut zum neuen Allfinanzkonzern Allianz/Dresdner Bank passen würde. Damit würde Consors dem Vorbild seines Konkurrenten Entrium folgen, der bei der italienischen Bipop Carire untergeschlüpft ist. Consors, der Geheimtipp?

Für den Telekommunikationsdienstleister Mobilcom dürfte es sich lohnen, wenn er sich die hohen Kosten des neuen Mobilfunkstandards UMTS mit einem starken Partner teilt. Gut denkbar also, dass die France Telecom - die bereits an Mobilcom beteiligt ist - die Schleswig-Holsteiner mit ihrer Internet-Tochter Orange zusammenbringen wollen. Mobilcom, das Schnäppchen?