die zeit: Herr Taupitz, die Herstellung von Stammzellen aus Embryonen ist in Deutschland verboten, der Import solcher Zellen nicht. Einige Forscher haben sich den begehrten medizinischen Rohstoff offensichtlich bereits aus dem Ausland beschafft. Muss nun ein Gesetz her, dass auch die Einfuhr unter Strafe stellt?

Jochen Taupitz: Ich glaube nicht, dass ein solches Gesetz mit unserer Verfassung vereinbar ist. Denn es würde gegen die vom Grundgesetz geschützte Forschungsfreiheit verstoßen.

zeit: Das Recht der Forscher gilt doch nicht absolut.

Taupitz: Die Forschungsfreiheit gehört zu den Grundrechten. Sie darf nur dann eingeschränkt werden, wenn ein gewichtiger verfassungsrechtlicher Belang dagegensteht. Das sehe ich in diesem Fall nicht. Die Wissenschaftler wollen schließlich keine Embryonen importieren, sondern nur Zellen, die nicht mehr totipotent sind - aus denen sich also kein vollständiges Individuum mehr entwickeln kann. Diese Zellen sind vom Grundgesetz nicht geschützt. Vor dem Bundesverfassungsgericht hätte ein Importverbot aus meiner Sicht keinen Bestand.

zeit: Könnte ein Moratorium ein Ausweg sein, um in der Debatte erst einmal Klarheit zu gewinnen, wie Politiker jetzt vorschlagen?

Taupitz: Ein Moratorium kann allenfalls Appellcharakter haben. Ein Gesetz zu erlassen, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen, halte ich für absurd. Für eine Einschränkung eines Grundrechts wie der Forschungsfreiheit muss man tragfähige Gründe vorbringen. Der Wunsch nach mehr Zeit zum Nachdenken ist kein tragfähiger Grund.

zeit: Die Zelllinien, die deutsche Forscher importieren möchten, stammen doch von Embryonen, die einmal lebensfähig waren.