Zu Hause in Italien nennen sie ihn "den Deutschen", weil Mario Monti immer so kühl und korrekt daherkommt. So gab er sich auch am Dienstag.

Monoton verlas Europas Wettbewerbskommissar seine Entscheidung, die größte jemals gewagte Fusion zweier Industriekonzerne zu verbieten. Da platzte der Megadeal 2001, doch Monti verzog keine Miene. Ein schlichtes No, war das alles? Plötzlich hob der 58-Jährige die Augenbrauen, gestattete sich "ein persönliches Wort": Es sei "ein Vergnügen gewesen, mit Mister Welch zusammengearbeitet zu haben." Der sei ja "eine Ikone". Und Monti lächelte, als wollte er leise sagen: Sorry!

Jack Welch, der genial-brutale Boss von General Electric (GE), hat gegen Monti seine letzte Schlacht verloren. Satte 43 Milliarden Dollar wollte der Haudegen berappen für den Kauf des Elektronikherstellers Honeywell. Aus der Traum, jetzt geht er unverrichteter Dinge in Pension.

Dabei wähnte sich Welch seinem Ziel so nah. Schließlich hatten Amerikas Wettbewerbshüter die Fusion bereits längst genehmigt, ohne große Bedenken ob der dann noch größeren GE-Macht auf den Weltmärkten für Triebwerke oder Flugzeugelektronik. Pech für Welch, dass im Namen Europas auch Brüssel über den fairen Wettbewerb wacht. Präsident Bush, Washingtons Finanzminister O'Neill und eine Hand voll US-Senatoren heizten ein gegen diese vermeintliche Einmischung. Montis Kommentar blieb kühl: "Die Nationalität der Unternehmen ist völlig irrelevant für uns."

Spätestens seit dem Wochenende war absehbar, dass Jack Welch und sein Partner in spe, Honeywell-Chef Michael Bonsignore, nicht auf Montis Segen hoffen durften. Der Kommissar verlangte, GE müsse eine Minderheitsbeteiligung an GECAS, der Flugzeugleasing- und Finanzierungstochter des Konzerns, verkaufen.

Sonst drohe, dass GECAS als weltweit bedeutender Käufer und Vermieter von Flugzeugen allerlei Airlines nötige, nur noch Jets mit GE-Turbinen und Bordelektronik von Honeywell zu kaufen. Bonsignore knickte ein, doch Welsh wetterte öffentlich, die Kommission wolle dem Geschäft "das Herz herausschneiden". Monti dankte für den Beweis: Der Satz von Welch sei "eine Bestätigung unserer Befürchtungen" gewesen.

Klar ist seit Dienstag freilich auch: Die Wettbewerbshüter in Washington und Brüssel müssen selbst neue Absprachen finden über ihren Kurs. Zweierlei trennt derzeit die Wächter aus Alter und Neuer Welt: unterschiedliche Prozeduren und - schlimmer noch - divergierende Theorien.