Seit Jahren klagen die Kunden der Deutschen Bahn AG über deren völlig undurchschaubares Preissystem. Der Tarifdschungel ist so verwirrend, dass selbst Bahnmitarbeiter häufig nicht imstande sind, dem Fahrgast die preiswerteste unter bis zu einem Dutzend Möglichkeiten anzubieten. Mit dieser Unsicherheit macht die Bahn jetzt Schluss: Sie hat ein neues Preissystem ausgearbeitet, das transparent und leicht verständlich sein soll. Damit soll Zugfahren ab Herbst 2002 attraktiver werden, manchmal auch preiswerter.

Die wichtigste Neuerung betrifft den Fernverkehr. Hier werden (analog zur Praxis im Flugverkehr) Ermäßigungen für Frühbucher bis zu etwa 60 Prozent eingeführt. Je früher die Reservierung, desto preiswerter das Ticket. Solche Vorzugsplätze sind allerdings kontingentiert. Wenig ausgelastete Fernzüge sollen sich dank attraktiver Preise füllen, überfüllte Züge werden durch teure Normalpreise einer wenig preissensiblen Kundschaft vorbehalten. Wer sich also künftig spontan entschließt, am Freitagabend mit dem Zug zu verreisen, der wird tiefer in die Tasche greifen müssen, als wenn er frühzeitig für die Wochenmitte reserviert.

Die zweite grundsätzliche Neuerung betrifft die Bahncard. Sie soll statt der gewohnten 50 Prozent nur noch eine Ermäßigung von 25 Prozent bieten, dafür aber nicht wie bisher nur auf den Grundpreis, sondern auch auf alle bereits ermäßigten Preise. Frühbucher können also in verkehrsarmen Zeiten wahre Schnäppchen machen. Wer jedoch kurz entschlossen ein möglicherweise nicht ermäßigtes Ticket kauft, der verliert im Vergleich zu heute beträchtlich.

Schwacher Trost für die Verlierer: Da der Ermäßigungssatz bei der künftigen Bahncard halbiert wird, wird sie auch nur noch halb so viel kosten wie bisher (also etwa 130 Mark statt bisher 270 Mark für Reisen in der 2. Klasse).

Am meisten werden Familien von der Reform profitieren. Kinder bis zu 14 Jahren sollen die Bahn unentgeltlich benutzen dürfen, wenn sie in Begleitung ihrer Eltern oder Großeltern unterwegs sind. Eindeutige Verlierer sind alle Bahnkunden im Nahverkehr, da es hier keinen Rabatt durch Frühbuchung gibt und die Bahncard nur noch die halbierte Ermäßigung bringt. Die neuen Preise werden voraussichtlich ab der zweiten Hälfte des kommenden Jahres gelten.