In Peking haben sich diese Woche Diplomaten aus China und Japan die Haare gerauft - darüber, wie sie einen offenbar ziemlich unbeabsichtigten Streit beider Länder beilegen können. Der japanische Handelsminister Takeo Hiranuma jedenfalls hat nach japanischer Einschätzung nie damit gerechnet, dass er ein solches Erdbeben auslösen könnte. Seine Regierung erhebt seit April saftige Zölle auf chinesische Agrarimporte wie Shiitake-Pilze, Zwiebeln und Stroh für Tatami-Matten - für Hiranuma "vorsichtige" Handelssanktionen, "in strikter Übereinstimmung" mit dem WTO-Abkommen. Genauer gesagt: Ihm dienten die so genannten Safeguard-Klauseln der WTO als Vorwand, mit deren Erlaubnis Staaten heimische Branchen vor dem Untergang schützen können. In Wahrheit wollten die regierenden Liberaldemokraten ihrer Bauernklientel ein Präsent vor den Oberhauswahlen im Juli bieten. Doch so oder so hatte keiner mit der zornigen Reaktion Pekings gerechnet. Wer würde schon Pilze und Zwiebeln mit einer Blockade gegen Autos und Handys vergelten?

Doch der Schaden ist angerichtet. Im nordchinesischen Importhafen von Tianjin stauen sich japanische High-Tech-Produkte, die von der chinesischen Regierung seit Ende Juni mit Strafzöllen von über 100 Prozent belegt werden. Autos, Handys und Klimaanlagen made in Japan sind zu solchen Preisen in der Volksrepublik unverkäuflich, und obendrein haben die chinesischen Parteimedien wochenlang antijapanische Ressentiments geschürt. Kostprobe aus der Pekinger Volkszeitung: Gegen Japan seien jetzt weitere "Rachemaßnahmen" gefragt.