Den Unternehmen am Neuen Markt stehen harte Zeiten bevor: Nach dem monatelangen Kursverfall sind ihre Aktien derart billig, dass Experten eine Welle von Fusionen und Übernahmen erwarten. Während noch vor kurzem Todeslisten von Firmen kursierten, die aus Geldmangel bald eingehen würden, arbeiten mehrere Banken inzwischen an Listen von Übernahmekandidaten.

Spekulationen über Käufe bewegen die Aktienkurse der betroffenen Unternehmen.

Seit Mitte April hat sich beispielsweise der Kurs von Internolix zunächst mehr als verdoppelt, weil ein Großinvestor dort einstieg. Er erwarb rund ein Viertel des Produzenten von E-Commcerce-Software - als "langfristiges strategisches Investment". Doch dann fiel die Aktie wieder auf ihr altes Tief zurück. Auch der Börsenwert des Internet-Unternehmens Netlife hat sich zeitweise vervierfacht, als ein neuer Großaktionär auftauchte.

Die neuen Herren am Neuen Markt kommen inzwischen häufig aus dem Ausland. Im April schluckte der amerikanische High-Tech-Riese Electronic Data Systems den IT-Dienstleister Systematics. Kurz zuvor hatte das britische Kommunikationsunternehmen Energis die Internet-Firma Ision übernommen, und bereits im Januar hatte der italienische Finanzdienstleister Bipop Carire den Direktbroker Entrium geschluckt.

Die deutsche Wachstumsbörse wandelt sich zur Spielwiese für Schnäppchenjäger.

"Warum soll ich als Großer die schlechte Stimmung für den Neuen Markt nicht ausnutzen?", begründet Ingolf Böhle vom Bankhaus Delbrück & Co das Verhalten der Kaufinteressenten.

Fusionen und Übernahmen sind für den Neuen Markt keineswegs ein neues Thema.