Dies deprimierte immer: Die Kleinkrieger der Berliner Politik waren in ihren taktischen Winkelzügen so notorisch durchschaubar wie Tante Trude beim Rommé. Nachdem Klaus Wowereit die große Fanfare vom "Neuanfang" hat erklingen lassen, balgen sich SPD und CDU um den Wahltermin. Natürlich gefiel es der SPD, ihrem alten Partner nachzusagen, er drücke sich vor dem stürmischen Wählerwillen nach Neuwahlen. Aber da nun die CDU den Wahlkampf längst begonnen hat, stimmt auch das nicht mehr. Neuanfang? Das Gezänk um die Wahltermine (23. September, SPD oder 21. Oktober, CDU) ist nichts als der Löffelstreit einer gescheiterten Ehe, die Fortsetzung des großkoalitionären Zanks mit anderen Mitteln.

Die SPD möchte das jetzige Umfragehoch samt Regierungsbonus voll einfahren und befürchtet wohl, dass eine sozialdemokratische Wahlniederlage in Hamburg am 23. September den Christdemokraten in Berlin nützen könnte. Die CDU hingegen will nach den Sommerferien noch einen Monat Zeit zur Selbstdarstellung. Recht hat sie, erstens als Opposition, die auf faire Bedingungen pocht, und zweitens, weil es vernünftig ist, dem Wähler Zeit zum Nachdenken zu geben.

Aber genau das scheinen die neuen Machthaber zu fürchten und dehnen lieber ein wenig die Verfassung oder ventilieren die Manipulation der Wahlordnung.

Gleichzeitig lassen sie das nun gänzlich obsolete Volksbegehren für Neuwahlen weiterlaufen. Was schert da der Wählerwille, Hauptsache, es schadet dem Gegner. Nein, wir erwarten nichts von der "neuen Kraft" eines Frank Steffel.

Aber er muss sich unter fairen Bedingungen blamieren dürfen. Die Berliner Kleinkrieger wirken jedenfalls noch abstoßender als früher, nachdem sich die Hauptstadtbühne in voller Größe aufgetan hat.