Das Reich der größten Freiheit verdankt sich der größten Fron. Zwar lässt sich im Computer mittlerweile so gut wie jede Welt erschaffen. Aber der Schöpfungsakt braucht ungeheure Rechnerleistung, und der Weg vom schönen Einfall zum schönen Bild führt durch Wüsten voll langweiliger Standardoperationen. Für Shrek meldet die Produktionsfirma wieder Rekordwerte, ähnlich denen, die bisher noch jeden Start eines Computertrickfilms begleiteten. Diesmal sind die Produzenten unter anderem stolz darauf, dass die menschenähnlichen Hauptfiguren von 90 Muskeln gesteuert werden und dass eine "durchschnittliche Computerfigur in einer mittleren Einstellung aus 60 406 Polygonen für Körper, Kopf und Kleidung und aus 767 700 Polygonen für Fell und Haar" besteht. Man soll staunen. Man staunt auch, aber man empfindet zugleich Mitleid mit den Programmierern.

Vielleicht ist es andererseits diesem Fundament an "kalter" repetitiver Technik zu verdanken, dass bisher alle Computertrickfilme sehr originell ausgefallen sind, die Insektenabenteuer Antz und A Bug's Life ebenso wie die beiden Folgen der Toy Story. So ist es auch bei Shrek, wo die Fachleute sicher an vielen Stellen den Zeigestock herausholen könnten: Sehen Sie nur, wie hier der Wind durchs Fell geht, wie differenziert die Mimik dieses Monsters! Was Shrek allerdings sehenswert macht, ist gerade das, was das Staunenswerte fast vergessen lässt. Man genießt vor allem den Witz

den technischen Fortschritt nimmt man nebenbei zur Kenntnis, und wenn, dann gerade dessen Grenzen. Flüssigkeiten und Feuer kann der Computer noch immer nicht apart abbilden. Die Titelfigur lebt laut Drehbuch in einem feuchten, schmutzigen und zugewucherten Sumpf. Der Rechner aber kann nur saubere Bilder auswerfen. Schmutz widerspricht gewissermaßen seinen Prinzipien.

An diesem Punkt scheint sich das Kompensationsgeschäft des Computertrickfilms zu wiederholen, auf einer höheren Stufe. Denn Shrek will, der Natur seiner Bilder zum Trotz, unbedingt ein unsauberer und ungezogener Film sein. Er möchte das Genre schänden, dem er selbst angehört, den Märchenfilm, und dafür haben sich die Autoren viel einfallen lassen. Die Seiten des Märchenbuchs, die anfangs aufgeblättert werden mit der klassischen Formel "Es war einmal ...", werden anschließend als Klopapier benutzt, vom grünen Monster Shrek, dem das Drehbuch reizende Geschmacklosigkeiten en gros zugeeignet hat.

Shrek duscht mit Schlamm statt mit Wasser, rülpst und furzt frei heraus, wirft Augäpfel statt Oliven in seine Cocktails und verarbeitet sein Ohrenschmalz zu Tischkerzen. Damit ist er zweifellos der passende Held fürs Märchenkino der Post-Beavis & Butthead-Ära. Andererseits soll er zwar im Märchenland herumsauen, aber doch nicht zu sehr. Im Grunde pflügt er es um, um es fruchtbar zu halten. Mag der Held auch ein unappetitlicher Misanthrop mit Mundgeruch sein, mag die Prinzessin auf ihren Glücksritter verzichten müssen und der Drache sich als verliebtes Riot-Grrl entpuppen - am Ende leben doch alle glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

Selbstfindung des Monsters

Insofern wirken die Spitzen etwas eitel, die sich die Dreamworks-Produktion gegen den großen Konkurrenten Disney erlaubt - auch wenn sie sehr spaßig sind. Jeffrey Katzenberg, der heute die Dreamworks-Animationsabteilung leitet, ist Mitte der neunziger Jahre in einem spektakulären Rechtsstreit von Disney geschieden und polemisiert seitdem gern gegen die gelackte Trickwelt seines Exarbeitgebers. Shrek verbittet sich zum Beispiel allen Gesang