Damals, als die drei Tage alte Leiche der noch gar nicht so alten Frau Zeuke gefunden wurde, fiel dem noch recht jungen Dichter Peter Brasch wieder mal kein salbungsvoller Vers ein. Darum schrieb er: "Was da fault zwischen weißen Laken / Ist ohne Geschichte Und / Hat keine gemacht." Später, als eine befreundete Dichterin von Ost-Berlin in den Westen entschwand, ins Land ohne Wiederkehr (damals herrschten pathetische Zustände), kommentierte Peter Brasch "Wie gehabt: Klappe zu. Affe tot." Die Hinterlassenschaft der Katja Lange jedenfalls, "mitten in der Bewegung aufgegeben", wurde von ihren hinterbliebenen Freunden gefleddert. "Erbe ist Eigentum für die Restverwandten, das Recht ergibt sich aus der Höhe der Schulden, die die Weggegangene noch zu begleichen hat." Vergangene Woche nun wechselte Peter Brasch, der ewige Hinterbliebene, die Seiten. Wir Überlebenden wissen nicht, ob sein letzter, unveröffentlichter Erzählband, aus dem er vor kurzem im Brandenburgischen Theater las, bereits Containerfraß geworden ist

doch würden wir ihn lieber auf das Konto der posthum zu bezahlenden Rechnungen buchen. Denn hier hätte der 1955 in Cottbus geborene Mann mit der typischen Biografie des zwangsexmatrikulierten Germanistikstudenten und späten Literaturinstitutsbesuchers, der Regisseur mit Faible für August Stramms radikale Schrei-Dramen, der Dramatiker mit Vorliebe für gescheiterte Aufmucker, der Schriftsteller mit dem untypisch schmalen Werk (das einzig lieferbare Buch heißt "schön hausen") - hier wollte er uns einen weiteren urkomisch deprimierenden utopischen Entwurf schenken: worin eine Rentne rin die Russenmafia übers Ohr haut und mit einem Zugabfertiger glücklich wird.

Peter Brasch (nicht zu verwechseln mit seinem Bruder Thomas) war einer jener politischen Dichter, die heimatlos bleiben, weil sie weder durch Fahnen noch Bananen froh werden. Die deshalb das Leben als "rührendes Zwischenspiel" verstehen. "Hineingeboren flüstert Uwe Kolbe, hinausgestorben sagt Katja Lange." Ausgeträumt, hätte Peter Brasch geechot und die Kladde seiner Albträume geschlossen. "Und so turnst du dich so munter / In das kühle Grab hinunter."