Das Erlesenste zum Schluss: Am 10. und 11. Juli warten die großen Auktionshäuser in London vor der Sommerpause mit kostbaren Altmeister-Werken auf. Unter den 172 Losen italienischer, französischer und flämischer Handzeichnungen ragt bei Christie's Horse and Rider von Leonardo da Vinci heraus, eine Vorstudie zu dem 1481 bei ihm in Auftrag gegebenen Gemälde The Adoration of the Magi, das unvollendet in den Uffizien in Florenz hängt.

Das rare Blatt stammt aus dem früheren Besitz von John Nicholas Brown in Rhode Island, dessen Sammlung von Altmeister-Zeichnungen Erwin Panofsky, der 1933 in die USA emigrierte und später am Princeton Institute lehrende Kunsthistoriker als "nicht die größte Amerikas, aber die am besten sortierte" rühmte. Der Erbe J. Carter Brown ist nun selbst ein älterer Herr und ordnet seine Dinge. So gibt er das seit 1928 im Familienbesitz befindliche Blatt zu einem Schätzpreis von 3,5 Millionen Pfund zur Auktion (10. Juli). Seit April ist der auf den Betrachter zugaloppierende Reiter in sieben Christie's-Filialen, darunter Buenos Aires, New York, Tokyo und Paris, gezeigt worden und erregte großes Interesse sowohl bei Museen als auch Sammlern.

Auf eine von Experten mindestens so aufmerksam verfolgte Tournee mit drei Stationen in den USA, Paris und Zürich hat Sotheby's eine Zeichnung von Michelangelo geschickt. Study of a Mourning Woman ist eine um 1505 datierte Tuschzeichnung, die Sotheby's Experte Julien Stock in der Bibliothek von Castle Howard in Yorkshire unter einer Fülle von nicht zuzuordnenden Zeichnungen fand. Etwa 150 Jahre, so schätzt Stock, hatte die braune Ledermappe niemand mehr geöffnet. Warum das 26 Zentimeter hohe und 16,4 Zentimeter breite Dreiviertelporträt einer trauernden Frau, die den Kopf in ihren vor der Brust verschränkten Armen birgt, erhalten blieb, kann Stock nur vermuten: "Entweder wurde es zu Michelangelos Lebzeiten in Rom verkauft, oder der Künstler hat es verschenkt." Tausende seiner frühen Blätter hat der Schöpfer der Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle zerstört. Recherchen und Vergleiche mit den nur vier vergleichbaren Blättern in öffentlichen Sammlungen, der Albertina in Wien, der Alten Pinakothek in München, dem Louvre in Paris und dem British Museum in London, räumten bald jeden Zweifel aus. Außerdem verwies ein handschriftliches R in der rechten unteren Ecke auf den Besitz des Malers und Connaisseurs Jonathan Richardson, dessen Sammlung 1747 zu Teilen von Lord Howard aufgekauft wurde.

Die auf sechs bis acht Millionen Pfund geschätzte Zeichnung der Frau in einem den Körper verhüllenden und umspielenden faltenreichen Gewand wäre fast auf direktem Wege in die National Gallery in Schottland gegangen, aber dort fehlten 800 000 Pfund zum Kaufabschluss.

Vor der Auktion am 11. Juli gab es bereits Gespräche mit vielen amerikanischen Museen, auch amerikanischen Privatsammlern. Wie man hört, sind das Getty-Museum, die großen Häuser in Washington, Cleveland, New York und London interessiert. "Eigentlich", so Stock, "gehörte es nach Italien. Im Heimatland Michelangelos gibt es kein solches Blatt in einer öffentlichen Sammlung."

Wenn Werke wie diese auf den Markt kommen, kratzen die deutschen Museen die mageren Mittel zusammen, um dann oft doch nicht gegen reiche Privatsammler und die wohlhabenden amerikanischen Kollegen mitbieten zu können. Vergleicht man allerdings die Preise mit denen der Impressionisten oder auch der Zeitgenossen, sind die Alten Meister sogar noch relativ preiswert zu haben.

Während Gerhard Richter und Damien Hirst die Zehnmillionengrenze längst überschritten haben, wird beispielsweise bei Sotheby's jetzt eine Zeichnung des Apostels Paulus von Hans Holbein dem Jüngeren für vergleichsweise bescheidene 80 000 bis 100 000 Pfund angeboten.