DIE ZEIT: Herr Wiedeking, die Deutsche Börse AG will Porsche aus dem M-Dax werfen, weil Sie sich geweigert haben, alle drei Monate einen Quartalsbericht vorzulegen. Alle anderen 70 in diesem Aktienindex notierten Firmen liefern brav ihre Zahlen ab. Warum sind Sie da so stur?

Wendelin Wiedeking: Die Börse ist seit einiger Zeit von sehr großen Kursschwankungen geprägt - weil die langfristige Ausrichtung eines Unternehmens offensichtlich keine Rolle mehr spielt. Es geht nur noch darum, ob das Unternehmen die Erwartungen erfüllt, die Analysten in ein Quartalsergebnis gesteckt haben. Das ist als Geschäftsbesorgungsplan für die Deutsche Börse möglicherweise interessant, aber als Unternehmer halte ich dieses Vorgehen nicht für sinnvoll.

ZEIT: Die Aktionäre, als Eigentümer einer AG, haben doch ein Recht auf aktuelle Daten.

WIEDEKING: Wir informieren unsere Aktionäre sehr umfangreich. Nicht umsonst haben wir in diesem Jahr den Investor-Relations-Preis für die beste Information aller im M-Dax gelisteten Firmen bekommen. Die Deutsche Börse sollte nochmals darüber nachdenken, ob sie wirklich alles über einen Kamm schert. Im Neuen Markt gab's auch Quartalsberichte. Und welchem Anleger haben sie geholfen? Keinem.

ZEIT: Also nützen Quartalsberichte letztlich nur den Aktienhändlern, weil sie bei jeder Umschichtung im Depot Gebühren kassieren?

Wiedeking: Ja natürlich! Bei der Überflutung mit Quartalsergebnissen verliert man leicht den Blick für die wichtige mittelfristige Entwicklung. Man braucht sich doch nur die allabendlichen Börsenberichte im Fernsehen anzuschauen. Dort geht es lediglich um die neuesten Aufs und Abs. Das zeigt doch die ganze Kurzatmigkeit. So lenkt man kein Unternehmen, sondern man bemüht sich um die langfristigen Perspektiven. Ein Unternehmen hat fundamental wichtigere Indikatoren als ein Quartalsergebnis.

ZEIT: Und wo bleibt die Kontrolle?