1. Die schöne neue Stadtautobahn: Aufbauleistung oder Abgase?

Olympic Boulevard tauften die Stadtväter einen vierten Autobahnring rund um Peking, der im Juni eröffnet wurde und in Zukunft garantieren soll, dass Athleten im alltäglichen Verkehrschaos rechtzeitig ins (geplante) Olympiastadion kommen. Voller Stolz auf die eigene Aufbauleistung ließ das Pekinger Olympiakomitee daraufhin Werbebroschüren mit einem Autobahnkreuz auf dem Titel drucken - und tat sich damit nicht gerade einen Gefallen. Denn es ist genau jenes bauwütige, dem blinden Wachstum untertane China, vor dem im Westen immer gewarnt wird. Wenn 1,3 Milliarden Chinesen Auto fahren, ist das Kyoto-Protokoll wertlos. Niemand außerhalb Chinas, mit Ausnahme der Autokonzerne, ist an einer Olympiabewerbung interessiert, mit der Peking von der Fahrrad- zur Autostadt umgebaut wird.

2. Die alten Stadthäuser: Unkomfortabel oder charmant?

Zwischen den roten Mauern des alten Pekinger Kaiserpalastes und der Einkaufsmeile Wangfujing entsteht gerade eine neue Hauptverkehrsachse, die einmal den Platz des Himmlischen Friedens mit dem Olympiapark verbinden soll. Den Bauarbeiten fallen die alten einstöckigen Wohnhäuser am Rande der Verbotenen Stadt zum Opfer. Für die meisten Pekinger, die vom Leben ihrer Großeltern in Rundhöfen ohne Kanalisation nichts mehr wissen wollen, ist das kein schmerzhafter Verlust. Ganz anders ergeht es westlichen Besuchern. »Weichen mussten Gassen, die den historischen Charme der Stadt prägten«, trauert der Spiegel um die verlorenen Viertel. So erregen die Stadtplaner, die Peking rechtzeitig zu Olympia ein modernes, westliches Aussehen geben wollen, regelmäßig das Entsetzen derer, die sie nachahmen.

3. »The toilet is over there«: Englisch für Anfänger oder Erziehungskampagne?

Die Stadt Peking hat ihren Taxifahrern Englischkurse verordnet. Damit zukünftige Olympiagäste aus dem Ausland anständig begrüßt werden und sich leichter in der Stadt bewegen können. Die Süddeutsche Zeitung aber höhnt: »Taxifahrer büffeln ' The toilet ist over there!' « Man vermutet dahinter eine neue kommunistische Erziehungskampagne. Dabei spricht die Aktion aus alltäglicher Erfahrung. Ärgernisse mit den für ihre mürrische Art berühmten Pekinger Taxifahrern sind für die Hauptstädter nicht die Ausnahme, sondern die Regel.