Überall sind die Bemühungen um Frieden und Ausgleich ins Stottern und Stocken geraten: in Nordirland, zwischen Palästinensern und Israelis, in Mazedonien, auf der koreanischen Halbinsel. Da wirkt es fast wie ein Wunder, dass sich ausgerechnet an der umstrittenen Himalaya-Grenze zwischen Pakistan und Indien ein Lichtblick auftut.

Dreimal in den 54 Jahren, die seit der Erlangung ihrer Unabhängigkeit verstrichen sind, haben Inder und Pakistanis Krieg gegeneinander geführt – 1947/49, 1965 und 1971. Ebenso lange schon liegen sie im Streit um Jammu und Kaschmir, die geteilte Gebirgsprovinz im Norden. Beide erheben Anspruch auf das ganze Gebiet. Pakistan unterstützt offen die 4.000 Guerillas, die für die mehrheitlich muslimische Bevölkerung den Anschluss an Pakistan erkämpfen wollen. Rund 400.000 indische Soldaten versuchen, sie mit harter Hand zu unterdrücken. Der blutige Konflikt hat bisher 30.000 Menschen das Leben gekostet, nach pakistanischer Darstellung sogar 80.000. Am vergangenen Wochenende wurden wiederum 46 Tote gemeldet.

An eben diesem Wochenende trafen sich in Agra der pakistanische Präsident General Musharraf und der indische Premier Vajpayee. Kaschmir war das Hauptthema der beiden. Der Krieg ist teuer für ihre Länder, die in der Welt misstrauisch beäugt werden, seit sie sich vor zwei Jahren Atomwaffen zulegten. Pakistans Wirtschaft ist dem Zusammenbruch nahe, ein Drittel der Bevölkerung ist unter die Armutsgrenze gesunken. Indien aber fällt im Wettrennen mit China um ausländische Investitionen auch deswegen immer weiter zurück, weil das Gespenst des Krieges – eines Krieges zwischen den beiden Atommächten des Subkontinents – über dem Land hängt.

Im Schatten des Tadsch Mahal haben Vajpayee und Musharraf jetzt versucht, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Es ist schwerlich zu erwarten, dass die beiden Hals über Kopf Frieden schließen. Aber sie könnten zumindest einen Friedensprozess einleiten, der dem Schießen ein Ende setzt, auch wenn er nicht gleich eine endgültige Lösung bringt. Fürs Erste würde es genügen, wenn Delhi der aufmüpfigen Provinz mehr Autonomie einräumte, sich zu Gesprächen auch mit der einheimischen Separatisten-Koalition Hurryat verstände und seine harsche Besatzungsherrschaft durch einen Teilabzug seiner Truppen mildert. Pakistan müsste dafür seine Unterstützung der Guerillas einstellen. Irgendwann könnte dann aus der gegenwärtigen Demarkationslinie eine regelrechte internationale Grenze werden.

Bis dahin ist der Weg freilich weit. Noch steht nicht der Friede auf der Tagesordnung, sondern nur ein Friedensprozess. Wo überall sonst die Friedensprozesse auf der Kippe stehen, wäre das aber schon viel.