Horst Siebert, Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel und Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Fünf Weise"), hat vor dem G8-Gipfel in Genua Entwarnung für die europäische und nordamerikanische Konjunktur gegeben. "Ich sehe langsameres Wachstum voraus, aber keine Rezessionsgefahren", sagt er. Die deutsche Wirtschaft werde im kommenden Jahr um 2,2 Prozent wachsen, das sei "nicht fulminant, aber keine Rezession". Und, so Siebert, "die US-amerikanische Wirtschaft ist im ersten Quartal noch gewachsen. Wenn es eine Rezession geben soll, müsste in den nächsten zwei Quartalen ein gewaltiger Einbruch kommen." Die Wirtschaftskrisen in Argentinien und der Türkei hält er für überschaubar. "Ich glaube, dass die Gefahren in den Griff zu bekommen sind. Man hat ja nun einige Erfahrungen im Krisenmanagement gesammelt".

Ein Vorziehen der Steuerreform in Deutschland, wie sie zur Ankurbelung der Konjunktur ins Gespräch gekommen ist, lehnt Siebert ab. "Ich bin gegen kurzfristigen Aktionismus. Wir sollten uns auf das konzentrieren, was langfristig getan werden muss".

Vom G8-Gipfel der Industrieländer in Genua erwartet sich der Ökonom keine neuen Impulse für die Konjunktur. "Aktive Konjunkturpolitik kann nicht das Thema (des Gipfels) sein", sagte er. Stabilitätspolitik bleibe eine Aufgabe der einzelnen Staaten, nicht internationaler Koordination.

Vorwürfe Gerhard Schröders an die Zunft der Konjunktur-Prognostiker wies Siebert zurück. Der Kanzler hatte geklagt, die vielen Wirtschaftsprognosen seien kaum noch nachvollziehbar. "Die Vorwürfe der Politiker sind ungerechtfertigt", sagte Siebert. "Im Prinzip liegen die Prognosen doch alle in einem ähnlichen Bereich".


Die Bahn will viele neue Züge kaufen. "Im Jahr 2010 werden unsere Züge nicht älter als zwölf bis 15 Jahre sein", erklärte Hartmut Mehdorn, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG. Die Fahrgäste bezahlten dann mit einem Chipsystem und erhielten "ihre Kilometerabrechnung einmal im Monat wie die Telefonrechnung". Statt der heute 6000 Bahnhöfe werde es nur noch etwa 3500 geben, dazu 7000 moderne Haltepunkte. Der Bahnchef erwartet, dass sein Unternehmen in zehn Jahren die beiden zur Diskussion stehenden Transrapid-Strecken in Bayern und in Nordrhein-Westfalen betreiben wird. Er lasse sich dabei "ausschließlich von betriebswirtschaftlichen Rechnungen leiten". Mehdorn: "Den Leuten, die das Transrapid-System zum Fernverkehrssystem in Deutschland erklären wollen, ist leider der Größenwahn unter die Hirnschale gefahren."

Auf der Schiene, so versichert Mehdorn, werde sich die Bahn nirgends zurückziehen. Zugleich sei der Nahverkehr ein "wichtiges Wachstumsfeld, gerade in Stadt- und Ballungszentren".