Jane Bowles' selten gespieltes, auch deshalb legendäres Stück Im Gartenhaus (In the Summer House) ist ein typisches Werk der Mitte des 20.

Jahrhunderts. Unter einer absichtsvoll oberflächlichen Oberfläche gähnen überdeutlich Abgründe, aber in diesen Tiefen finden sich vor allem die zu ihrer Zeit zeitgemäßen Ideologien: der Existenzialismus (die Menschen sind einsam und können zueinander nicht kommen), die Psychoanalyse (Schuld daran haben Vater, Mutter und die Unterdrückung der wahren Gefühle). Diesem Stück hat sich nun einer der am höchsten gepriesenen, zugleich aber am wenigsten bekannten deutschen Regisseure zugewandt.

Armin Holz, der beinahe vierzig Jahre zählt, ist eine Legende

er hat bisher nur vier Inszenierungen auf die Bühne gebracht, seine Abschlussarbeit an der Münchner Falckenberg-Schule miteingerechnet. Erst seine letzten beiden Inszenierungen von Marivaux und Valle-Inclán in Hannover und Berlin erreichten ein herkömmliches Theaterpublikum. Gleichwohl dürfte die Zahl derer, die mehr als eine Inszenierung von Holz gesehen haben, verschwindend gering sein. Es ist nicht nur Schuld der Kritiker, wenn eine Beurteilung dieses fraglos ungewöhnlich talentierten Regisseurs auf unsicherer Grundlage, dem Hörensagen der Archivmappen, steht. Denn an dem kultischen Gejubel nach punktuellen Eindrücken darf einem Künstler von so ernstem und rigorosem Anspruch nicht gelegen sein.

Es fehlte auch in den Vorausberichten zur Inszenierung des Gartenhauses in einem Kreuzberger Probenraum der Schaubühne nicht. Der Abend selbst erwies sich als zäh und mühselig. Holz hat sich dafür entschieden, das Stück gleich vom Abgrund aus anzugehen

er unterlief die plappernde Oberfläche und setzte auf einen absichtsvollen Manierismus, ein teils pathetisches, teils schrilles, halb singendes, halb deklamatorisches Sprechen, das er von großen Gesten, Tanzauftritten, Musik (Till Brönner) begleiten ließ. Die Kunst, die dabei entsteht, ist so groß wie unangemessen, und schon nach der ersten Viertelstunde musste man sich fragen, ob Holz jene Verhältnismäßigkeit der Mittel kennt, die man einmal Geschmack nannte. Eine "Sprudelflasche" wird in Tatja Seibts Rezitation zur "Schpruuh-döll-flasch-ö"

wenn die von Seibt (mit dem Rezensenten nicht verwandt) gespielte Frau Gertrude Eastman Cueva ihre Tochter beschimpft, nennt sie diese eine "Schlám-pö", und ganz zu Recht sagt sie: "Üch bün der nervöse Tüüp." Von jenseits der Grenze bringen Mexikaner scharfes Essen, Folkloremusik und Volkstanz in die kalifornische Villa, kurz, jene Sinnlichkeit, die sich im großen, tuntenbarocken Ausgestalten des Wortes "Guaaaaa-ven-pastö" parodistisch (oder auch nicht) beweisen muss.