Wer kennt schon Senol Yegin und seine Firma Spekon? Vom hintersten Winkel der Republik, aus Seifhennersdorf an der tschechischen Grenze, liefert der Türke Fallschirme für die Bundeswehr - seit 1994, als er mit einem Koffer voller Geld aus Ünje an der Schwarzmeerküste in die sächsische Kleinstadt kam, um der Treuhand das Traditionsunternehmen abzukaufen. Damals hatte Spekon 100 Beschäftigte. Heute sind es 160.

Und wer weiß von José Carlos Correia dos Santos, eingewandert 1973, Inhaber einer Reinigungsfirma mit 600 Mitarbeitern? Von Sushrut Lugani, der vor 42 Jahren nach Deutschland kam und den Kaufhof heute mit Frauenkleidung versorgt? Von dem Softwareunternehmer Genadi Man, dem Internet-Entrepreneur Mehmet Yilmaz, dem Unternehmensberater Abdel Abou el dahab?

Ein halbes Dutzend von knapp 300 000 ausländischen Selbstständigen in Deutschland. Sechs, die mit ihrer Arbeit Jobs schaffen und die Wirtschaft antreiben. Teil eines gewachsenen ausländischen Unternehmertums - aber von den Deutschen ignoriert.

Amerika feiert seine Einwanderer. Es bewundert Inder oder Koreaner, die Unternehmen gründen, Branchen aufmischen, Arbeitsplätze sichern. Deutschland diskutiert. Ereifert sich über Quoten und Punktesysteme, streitet, wer künftig kommen darf - und welche Menschen der deutsche Arbeitsmarkt benötigt. Darüber, die Chancen für jene Ausländer zu verbessern, die Arbeit schaffen, wird kaum gesprochen. Dabei zeigen schon die, die hier sind: Auch sie gehören zu den "besten Köpfen", die Deutschland braucht.

Döner für vier Milliarden

Unternehmer wie Jose Carlos Correia dos Santos: Vor dem Bürogebäude des 38-Jährigen im Frankfurter Vorort Rödelheim steht ein BMW 740, in seinem Chefzimmer hängen Fußballfahnen von Benfica Lissabon. Das eine der Beweis für den Erfolg in Deutschland, das andere Symbol der Verbundenheit zur alten Heimat. Dos Santos kam mit zehn, sein Vater arbeitete als Maler, die Mutter am Band. 1988 gründete er seinen Reinigungsbetrieb im eigenen Wohnzimmer, mit der Garage als Lager. Heute putzen die Kolonnen des Portugiesen - 40 Prozent seiner Angestellten sind Deutsche - die Bundesbank in Frankfurt und die Gebäude der Société Generale in der ganzen Republik. "Die Türen", sagt der klein gewachsene Mann, "standen immer offen." Dos Santos ist mit einer Deutschen verheiratet, die Tochter hat einen deutschen Pass. Aber auch, seit dem Tag ihrer Geburt, die Mitgliedschaft bei Benfica Lissabon.

Oder Sushrut Lugani: Wer morgens im Erdgeschoss des Firmensitzes der Lugani GmbH auf den indischen Diplomkaufmann wartet, hört unter Umständen aus dem Nebenzimmer den sanften Singsang einer Männerstimme. Die Luganis haben dort einen Haustempel aufgestellt, und jeden Morgen werden die Götter begrüßt. Ihre Religion pflegt die Familie auch vier Jahrzehnte nachdem sie der Senior als indischer Diplomat in das säkulare Deutschland brachte. Firmengründerin ist die Mutter, die in den sechziger Jahren - die Hippies entdeckten damals Goa - die Idee hatte, mit indischen Hemden Trends in der Modebranche zu setzen. Inzwischen führt Sushrut den Betrieb, auch seine drei studierten Schwestern arbeiten mit. Dazu Deutsche, ein Pole, Arbeiter aus Sri Lanka. Die Düsseldorfer Firma entwirft ihre eigene Mode und verkauft auf dem europäischen Markt. "Deutschland ist ein gutes Land", sagt der Senior. - "Auf Qualität kommt es an", meint der Junior, "auf Service und Fachwissen." Regelmäßig versorgt Lugani seine Kunden mit Marktstudien über die nächste Modesaison.