Und dann sagt Trentl, in der nagelneuen Cafeteria in Hollenbach sitzend, das erste von vielen zauberhaften Fachwörtern, die an diesem Nachmittag fallen werden. Es heißt Polyester-Angst. Es kommt einem zugute, sagt er, dass die Polyester-Angst den Endverbrauchern auch genommen wurde, durch Skiunterwäsche oder Running-Klamotten, wo ja überall Funktionspolyester eingesetzt wird.

Und deshalb dürfen Jako-Mannschaften glänzen, als ginge es um die Weltmeisterschaft 1982. Keinen scheint es zu stören: Der Umsatz ist im letzten Jahr um 15 Prozent gestiegen.

Die neue Firmenzentrale liegt mitten auf der grünen Wiese südlich von Würzburg. Ein dreistöckiges Glashaus, lichtdurchflutet, das zu umrunden man etwa eine Minute braucht. Für Allergiker ein Albtraum. Kilometerweit Bäume, Raps, gegenüber eine Holzscheune. Draußen riecht es nach Gülle. Drinnen wartet ein Designersofa auf Besucher, barsockige Schaufensterpuppen starren arrogant in die Luft. Sie tragen keine Fußballschuhe, weil Jako keine herstellt. Es ist eine Sache, einen Fußballer dazu zu bringen, ein neues Trikot anzuziehen. Die Schuhmarke aber wechselt keiner gern.

Die WC-Schilder sind aus Glas mit eingraviertem Jako-Schriftzug, die Figuren darauf haben breite Schultern und sehen aus, als seien sie auf dem Weg zur Disco. An den Wänden hängen Aquarelle, wie sie auch das Aktuelle Sportstudio an seine Gäste verschenkt: hochwangige Sportler, die mit wirren Haaren durch die Luft fliegen, während im Hintergrund die Welt explodiert.

In der Cafeteria ist alles Holz und türkis.

Arnold Trentl fragt, ob er einen Kaffee machen soll, sein Kaffee schmecke hervorragend. Er sieht ein bisschen aus wie ein untrainierter Kevin Costner, braun mit sonnenblonden Haaren.

Und in dieser Sonnenbräune, die davon kommt, dass er zweimal die Woche auf einem Provinzfußballplatz herumsteht, deutet sich auch schon das Geheimnis seines Erfolges an. Während Adidas den Weltfußballer Zinedine Zidane eingekauft hat und Nike die brasilianische Nationalmannschaft (zum Preis von angeblich 400 Millionen Dollar für zehn Jahre), hat Jako sich um die Dorfvereine bemüht. Während Phil Knight, der Gründer von Nike, einst seine Diplomarbeit darüber schrieb, wie man die Vorherrschaft von Adidas und Puma auf dem amerikanischen Markt brechen könnte, hat sich Rudi Sprügel vor zwölf Jahren das Ziel gesetzt, die Fußballmannschaften zwischen Jagst und Kocher mit preiswerten Trikots auszustatten.