Es liegt nahe, sich von Charlotte Salomons riesenhaftem OEuvre, von der Flut der Bilder - über tausend Gouachen - verwirren zu lassen. Beginnen wir mit einer einzelnen Abbildung: Der erste Blick erfasst eine Abschiedsszene

den Zusammenstoß zweier Züge

ein Paar, das sich, respekteinflößend, im Zentrum des Bildes aufhält

und eine junge Frau, die winkend am Gleis steht, dann in den Vordergrund des Bildes läuft und schließlich eine Wohnungstür öffnet. Der zweite Blick erkennt die Erzählung, den Sog einer Folgerichtigkeit, die Identität der Personen. Die Atmosphäre ist die der frühen Stummfilme. Und so wie dort gehört zu diesem Bild ein erläuternder Text. Man erfährt, dass eine jung verheiratete Frau ihren Mann zum Zug begleitet, der ihn an die Front bringen wird. Es ist Krieg, der Erste Weltkrieg. Mann und Frau heißen Franziska und Albert Salomon, die Eltern von Charlotte Salomon.