Den Hochzeitsfotografen konnten sich Gudrun und Angelika Pannier gestern sparen. Die Fotoreporter überschlugen sich förmlich, um das erste homosexuelle Paar, das in Berlin standesamtlich getraut wurde, im Bild festzuhalten. Der feierliche Kuss des Paares Pannier nach dem Ja-Wort findet sich auf einem Großteil der Titelblätter wieder. Die "tageszeitung" gratuliert sogar mit einem "Herzlichen Glückwunsch" als Schlagzeile und macht sich damit höchst offiziös zur amtlichen Hochzeitskarte.

Weniger ausgelassen und entspannt wirkt das Augenpaar, das von der Titelseite der "Welt" schaut. Es gehört zu einem von 1.000 maskierten und bewaffneten Palästinensern, die nach dem israelischen Hubschrauberangriff auf das Hamas-Hauptquartier in Nablus gestern am Trauerzug teilnahmen. "Palästinenser schwören Rache" eröffnet die Zeitung. "Israel droht Feinden weiter mit dem Tod" heißt es beim "Tagesspiegel" zur Gegenposition.

Der G-8-Gipfel zieht nach wie vor Kreise. Während die "Süddeutsche Zeitung" in ihrem Aufmacher berichtet, dass Italiens Parlament nach den Krawallen eine unverzügliche Untersuchung des umstrittenen Polizei-Einsatzes bei dem Gipfel in Genua fordert ("Rom untersucht Polizei-Einsatz in Genua"), unterstreicht die "Frankfurter Rundschau", dass Rom am Einreiseverbot gegen 40 bis 50 deutsche Globalisierungsgegner festhält. Zumeist unter dem Seitenbruch befindet sich die Nachricht, dass sich das US-Repräsentantenhaus mit deutlicher Mehrheit gegen das Klonen menschlicher Embryonen ausgesprochen hat.
Wieder einmal wenig Positives hat das "Handelsblatt" zu berichten. Die schlechte Lage an den Kapitalmärkten wirkt sich auch auf die Deutsche Bank aus: "Deutsche Bank spürt Flaute", so die Zeitung. Ermüdend, penetrant und nervig die "Bild". In der 894. Episode der Saga Becker-Ermakowa berichtet die Zeitung über einen Brief, den Becker vor Monaten an das Model schrieb und in dem er anbot, dass das Kind auch bei ihm wohnen könne.

Klon-Verbot

Hitzig soll es zugegangen sein. Mit 265 zu 162 Stimmen stimmten die Abgeordneten im US-Repräsentantenhaus am Dienstagabend schließlich für eine Vorlage, die sämtliche Formen des Klonens verbieten. Sie verwarfen auch einen Vorschlag, der das Klonen menschlicher Embryos für die künstliche Befruchtung verboten, aber für wissenschaftliche Zwecke erlaubt hätte. Etwas pathetisch und ganz ‚mond-än' spricht die "Welt" von einem "zaghaften Schritt Amerikas", der ein "großer Schritt für die Menschheit" sei. "Der Globalisierung kann nur mit globalen Gesetzen begegnet werden", so Alan Posener. "Das muss nicht gleich das Korsett eines Kyoto-Protokolls sein. Hauptsache die USA sind dabei. Mindeststandards sind besser als keine, ein Schritt des Riesen [ist] wichtiger als viele Zwergentrippelschritte."
Ob der Senat dem Gesetzentwurf zustimmt, ist fraglich. Aber auch der "Tagesspiegel" hält die Entscheidung des Repräsentantenhauses für "eine kleine Sensation". Denn gerade in Amerika gebe es an sich kaum Fortschrittsskepsis, wann immer sich das individuelle Glück steigern lasse, werde es getan. Doch zum ersten Mal hat sich nun die amerikanische Legislative auf Bundesebene in die Gen-Debatte eingeschaltet. Malte Lehming wertet den Beschluss als "deutliches Zeichen dafür, wie tief die Kränkung des menschlichen Selbstwertgefühls durch die Möglichkeiten der Biomedizin reicht". Mit anderen Worten: Durch die Fortschritte in der Biomedizin fühlt sich der Mensch bedroht, da das Wunder der Zeugung entzaubert wird. Und dieser Gefahr ist nun Einhalt geboten worden.
Als positiv bewertet die "Süddeutsche Zeitung" vor allem den Umstand, dass beim Klonen keine Ausnahme für die Forschung gemacht wurde. "Zu eng verknüpft sind Klon-Versuche für die Therapieforschung und für die Fortpflanzung." Beides müsse auch verboten bleiben, so der Kommentator. "Und jene jammernden deutschen Forscher, für die in den USA immer alles viel besser ist, müssen nun erkennen: Beschränkungen gibt es auch dort."

Rache der Palästinenser?

Der angebliche Drahtzieher der großen Selbstmordanschläge der letzten Monate, der Hamas-Führer Jamal Mansour aus Nablus, ist tot, im Raketenangriff israelischer Kampfhubschrauber ums Leben gekommen. Für einen tödlichen Fehler Israels hält Inge Günter die Aktion. Israel möge geglaubt haben, dass die Beseitigung eines Dirigenten des Terrors das Handwerk für die Hamas erschweren würde. Aber zum einen ließen sich nach dem Tod Mansours sofort zehn neue Bombenleger rekrutieren, zum anderen habe der Luftangriff eine bisher nicht da gewesene Solidarität zwischen den sonst oft miteinander konkurrierenden, militanten Palästinenser-Organisationen ausgelöst. Die zweite fälschliche Annahme Israels bestünde in dem Glauben, der Konflikt mit den Palästinensern lasse sich militärisch lösen, so Günter. "Nicht sieben Tage der Ruhe stehen in Nahost bevor, wie sie Scharon von PLO-Chef Arafat als Vorbedingung für Gespräche verlangt hat, sondern möglicherweise unendlich viele Tage weiterer Unruhen."
Ähnlich sieht das auch Charles A. Landsmann im "Tagesspiegel". Wie im Januar 1996, als der Hamas-Bombenbauer Jehija Ajash mit Hilfe eines Mobiltelefons getötet wurde, werde es auch diesmal wieder eine Anschlagsserie der Rache geben. Scharon glaube zwar inzwischen nicht mehr daran, dass das Palästinenser-Problem militärisch zu lösen sei. Aber er glaube immer noch, den Terror militärisch besiegen zu können. "In Wirklichkeit stärkt er mit seinem brutalen Vorgehen - nicht nur den Liquidierungen - die islamistischen Terroristen und deren politische Bewegungen und schwächt gleichzeitig die Stellung der Palästinensischen Autonomiebehörden." Bisher habe der Politiker Scharon mit seiner relativen Zurückhaltung überrascht. "Wenn jetzt der Militär Scharon das Oberkommando auch auf dem letztlich politischen Schlachtfeld übernehmen sollte, dann bestünde akute Kriegsgefahr."