Die übrigen Blätter verlieren sich in den verschiedenen Winkeln des Sommerlochs. Bis in die Polarregion hat es die "Süddeutsche Zeitung" verschlagen: "Ölbohrungen in Alaskas Naturreservat", titeln die Münchner. Hintergrund: die Vereinigten Staaten wollen ihre Abhängigkeit von ausländischem Erdöl verringern. Dafür sind Erz-Umweltsünder Bush und das US-Repräsentantenhaus auch bereit, den Lebensraum zahlreicher Wildtiere zu stören.

Die gottverlassenen Regionen deutscher Bildungspolitik beschäftigen "Frankfurter Allgemeine" und "Welt" in ihren Aufmachern: "Bundesländer wollen die Schulzeit verkürzen", titelt letztere über den Vorstoß des Saarlands, als erstes westdeutsches Land die gymnasiale Schulausbildung auf acht Jahre zu verkürzen. Auch die deutsche Bildungsministerin gibt zum Thema Schulmisere wohlfeile Absichtserklärungen zum besten: "Bulmahn will Lehrer nach Leistung bezahlen", meldet das "Handelsblatt".

Ja, es sieht weiterhin nicht so gut aus für den deutschen Nachwuchs. Grund für den Deutschen Städte- und Gemeindebund eine radikal andere Familienpolitik zu fordern: "Städte für 1050 Mark Kindergeld", lernen wir heute bei der "Frankfurter Rundschau". Die Einwanderungspolitik schließlich ist Thema Nr. 1 beim "Tagesspiegel": "Asyl soll regelmäßig überprüft werden", lautet die Schlagzeile zu aktuellen Überlegungen im SPD-geführten Innenministerium.

Schlächter auf der Bank

"Teilsühne" überschreibt die "Frankfurter Allgemeine" ihren Kommentar zum Haager Urteil gegen den Serbengeneral Krstic, in dem es heißt: "Die Ermordeten werden dadurch nicht wieder ins Leben zurückgeholt, die Schande der Staatengemeinschaft, daß die Menschen einer deklarierten UN-Schutzzone im Stich gelassen, dem vorausahnbaren Mord preisgegeben wurden, kann damit nicht getilgt werden. Aber die Waage der Gerechtigkeit hat sich ein Stück weit in Richtung Ausgleich bewegt."

Auch für Katja Riddersbusch von der "Welt" ist das Urteil noch kein Anlass zu ungetrübter Freude: "Die beiden Hauptverantwortlichen des Krieges, der bosnische Serbenführer Karadzic und sein Armeechef Mladic, sind noch immer flüchtig. Die zwielichtige Rolle der niederländischen Blauhelme, die sich von den Serben als Geiseln nehmen ließen und tatenlos dem Schlachtfest von Srebrenica zusahen, wurde nie wirklich geprüft. 7000 der früheren Einwohner Srebrenicas werden noch vermisst. Die anderen sind geflohen und nie zurückgekehrt. Heute ist Srebrenica eine serbische Stadt."

Und dennoch, der Richterspruch sei ein "Sieg des humanitären Völkerrechts", meint Christian Semler im Leitkommentar der "tageszeitung" und verweist auf die Widrigkeiten, gegen die sich das Kriegsverbrecher-Tribunal behaupten musste: "Das Gericht und seine Anklagebehörde hatten jahrelang mit einer faulen Realpolitik zu kämpfen, die keine Anstalten machte, die Verdächtigen zu suchen und Haftbefehle zu vollstrecken. Es ist deshalb schlicht falsch, die Haager Richter als Erfüllungsgehilfen westlicher Politik, insbesondere der der USA hinzustellen. Vielmehr ist es gerade die auf der Universalität der Menschenrechte und auf universelle Strafverfolgung hinzielende Grundlinie des Völkerrechts, die der Supermacht USA immer mehr Kopfschmerzen bereitet."