Den FREITAG haben wir für Behördengänge und Schriftsachen reserviert. Angelika braucht wegen der Namensänderung eine neue EC-Karte und neue Versicherungsausweise. Wir machen das gleich, damit der bürokratische Kram weg ist. Bei der Meldestelle wusste erst niemand, wie das genau abläuft. Anträge auf neue Ausweise wegen Namensänderung nahmen sie nicht an, denn das Partnerschaftsgesetz ist erst am 1. August in Kraft getreten.

SAMSTAG fahren wir nach Bitterfeld. Da feiern Gudruns Eltern zufällig gerade ihre Goldene Hochzeit. Überhaupt haben sich unsere Familien sehr gefreut und waren natürlich auch bei der Zeremonie im Standesamt dabei und abends bei unserer Hochzeitsfeier. Nur Gudruns Vater musste aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben. Natürlich ist Bitterfeld eine Kleinstadt, und da fallen wir beide schon auf, wenn wir im Anzug, Gudrun mit Hut und langem Mantel, unterwegs sind - ein bisschen Schaulaufen eben.

Am SONNTAG fahren wir wieder nach Berlin zurück und lassen den Tag gemütlich ausklingen, sitzen auf der Couch und schauen uns einen guten Film an.

Unsere Hochzeitsreise werden wir wohl erst im nächsten Jahr machen. Dann aber erfüllen wir uns einen Traum und fliegen nach San Francisco und Los Angeles. So werden wir hier MONTAG die Dinge nachholen, die noch auf den Ämtern zu erledigen sind. Abends sitzen wir im Biergarten oder gehen ins Kino, vielleicht in die Neuverfilmung des Planeten der Affen.

Auch den DIENSTAG lassen wir ruhig angehen, schauen Fotos an und die Videos von der Trauungszeremonie. Die Woche haben wir von allen Terminen freigehalten. Das muss auch sein, vor der Trauung war alles sehr anstrengend. Zwei Jahre lang haben wir gekämpft für das Gleichstellungsgesetz, waren bei vielen Veranstaltungen der Berliner Grünen dabei. Claudia Roth, Volker Beck und Sybille Klotz feierten übrigens mit uns den Polterabend im "Tränenpalast". Der Medienrummel war schon riesengroß. Alle kamen, sogar die BBC. Es ist uns sehr wichtig, ein Signal gesetzt zu haben.

MITTWOCH wird Gudrun wohl am Schreibtisch ein bisschen Arbeit vorbereiten. Eigentlich ist sie ja Diplomtheologin, gibt aber nun EDV-Kurse. Angelika, die ihr Jurastudium wegen Multipler Sklerose abbrechen musste und im Rollstuhl sitzt, liest ein wenig amerikanische Lesbenliteratur von Karin Kallmaker und schickt ihr vielleicht eine Dankes-E-Mail. Für das Mutmachen. Nun gilt es, auch wieder Zeit für das Romantische zu finden. Ringe hatten wir schon vor Jahren einmal getauscht, in der Trau- und Taufkapelle des Berliner Doms. Für den Herbst wünschen wir uns einen Segnungsgottesdienst in einer kleinen Kirche. Ganz privat. Das ist uns beiden sehr wichtig.