Die Sache spielt in den Siebzigern. Der Vater ist Arzt, fährt einen Porsche und hat mal geboxt. Die Mutter ist die Frau des Arztes, und der Sohn, der das Ganze hier erzählt, ist etwa zehn Jahre alt, heißt leider Oliver und möchte auch Boxer werden. (Was uns, wenn wir da mal eben vorgreifen dürfen, im dreizehnten Kapitel eine recht nette Beschreibung des berühmten Kampfes Muhammad Ali gegen Joe Frazier einbringt.) Dann gibt es noch die Brüste von Frau Blömeke. So viel zum ersten Kapitel.

Das dritte ruft noch einmal in Erinnerung, was wir schon im ersten erfahren hatten, dass nämlich Frau Blömeke Marika heißt (wie Rökk, genau). Die trifft der junge Mann dann im vierten Kapitel, sagt ihr aber fast nichts. Dafür sagt die Mutter zu Oliver: "Eins macht mir wirklich Kummer: Du bist nicht wie die andern." Was ja noch lange nicht für Oliver spricht, aber auch nicht für die Mutter und schon gar nicht für den Roman, der sich bis dahin eher schleppt.

In Kapitel fünf, das ziemlich lang ist, erfahren wir, dass der kleine Bruder von Oliver Claus-Wilhelm heißt, Wilhelm nach dem Kaiser (ich wiederhole, die Sache spielt in den Siebzigern, und zwar des 20. Jahrhunderts) und Claus, allerdings mit C, nach dem Bruder seiner Mutter. Sieben Seiten später lesen wir, dass der Bruder seines Vaters Klaus heißt. Ha. Von Frau Blömeke nichts Neues, wir haben sie aber nicht vergessen.

Im sechsten Kapitel (in dem Oliver sich zunehmend als kleiner Klugscheißer erweist), wird beiläufig mitgeteilt, dass Olivers Vater über Blömekens Zaun gehüpft ist, sodass wir schon anfangen, uns einen kleinen Reim zu machen

nicht zuletzt weil der Vater Herzspezialist ist und der Mann von Frau Blömeke sein Patient war und leider gestorben ist, wie das siebente Kapitel bestätigt.

Im neunten (richtig, jetzt haben wir wieder eins übersprungen), im neunten Kapitel also macht Oliver unmissverständlich klar, dass Frau Blömeke ihm gehört und niemandem sonst. Unter der Bettdecke spielt sich aber noch nicht mehr ab, als dass er dort Fäuste ballt. Im zehnten aber kommt es dann: Er sieht heimlich Frau Blömeke nackt, jedenfalls ihre obere Hälfte, die mit den phänomenalen Brüsten. Ja.

Im elften lernen wir, dass der wirkliche Vater von Marika Blömeke ein ungarischer Räuberhauptmann war. Im zwölften gibt's noch einen Besuch in ihrem Haus, es folgt der Boxkampf Ali - Frazier, dann ist das Buch im Grunde aus. Da wird einem also Kapitel um Kapitel vorgegaukelt, dass da gleich ein frühreifer Knabe einer überreifen Nachbarin näher und näher kommt, einer Österreicherin obendrein, Steirerin (!), aus Graz (!!), da überlässt man sich geduldig allen Ablenkungsmanövern, man liest die Sache im zehnten Kapitel, und dann nix. Gar nix.