Wer zu lange studiert, muss zahlen. Das Bundesverwaltungsgericht erklärte jetzt das baden-württembergische Verfahren für rechtens, so genannte Langzeitstudenten mit einer Gebühr von 1000 Mark zu bestrafen. Von dieser Praxis gehe "Signalwirkung" aus, meinen die Württemberger. Im Saarland ist das Signal bereits angekommen

auch dort wird es demnächst Strafgebühren geben. Das Urteil des Gerichts ist nicht nur juristisch, sondern auch moralisch unanfechtbar. Recht so. Wer zu lange studiert, soll das auf eigene Kosten und nicht auf die der Allgemeinheit tun, meinen wir Steuerzahler.

Minister oder Hochschulrektoren, die heimlich nur aufs Geld der Studenten spekulieren und damit den eigenen maroden Haushalt sanieren wollen, sollten sich nicht zu früh freuen. Der Schuss könnte nach hinten losgehen. Die meisten Langzeitstudenten nämlich sind Karteileichen, Abzocker von wohlfeilen Sozialleistungen wie Semesterticket und billigen Theaterkarten. Sind die erst mal aus den Listen getilgt, zeigt sich, dass so manche "Massenuni" gar nicht so überlaufen ist, wie sie vorgibt, und ihre ewige Überlastklage vermutlich etwas übertreibt. Geht man dann noch davon aus, dass künftig die Studenten unter Strafandrohung tatsächlich schneller studieren, bleibt für den Landes- oder Hochschulsäckel kaum was übrig. Und sollten die Studentenzahlen tatsächlich weiter sinken, wie es die Kultusminister schon jetzt düster prophezeien, dann werden sich die Universitäten bald noch um jeden einzelnen Langzeitstudenten prügeln.

Wieso gibt denn keiner zu, worum es hier wirklich geht? Um Studiengebühren, die sich kein Politiker offiziell einzuführen traut. Moralisch geliftet, werden sie jetzt hintenrum als Strafgebühren doch eingeführt.

Ein finanzieller Beitrag der Studenten zu ihrer Ausbildung ist auf die Dauer unvermeidlich, gleichgültig ob man das nun begrüßt oder bedauert. Aber Studiengebühren sollten eben nicht als Strafe, sondern als Chance für die Studenten begriffen und konzipiert sein, als ein Instrument, ihrerseits von den Universitäten Ausbildungsqualität zu verlangen. Wer die nicht vorhalten kann, wird auch nicht bezahlt. Nur so kann der doch allseits gewünschte Wettbewerb der Hochschulen zustande kommen. Stattdessen wird abgestraft und abkassiert. Und solche Bildungspolitik soll "Signalwirkung" haben? Besser nicht.