Besuch kommt, aus Schwaben. Wir gehen essen. Das Söhnchen muss aufs Klo.

Strahlend kehrt es wieder, mit einer bunten Ansichtskarte: "Papa, die gab's beim Händewaschen umsonst, ist die nicht schön?" Ja, ist sie - ein Alpenpanorama: Schneegipfel vor Himmelblau, grüne Wiese, schwarzer Tann

ein Spiegelsee doppelt die Pracht. Quer über die Idylle klotzt die Doppelzeile: "den holocaust hat es nie gegeben".

Er habe das schon in der Stadt gesehen, spricht der schwäbische Besuch. Am Pariser Platz, da hänge dieses Bild als Riesenposter vor einer Bankfassade.

Das so was hier geduldet werde in der deutschen Hauptstadt, das sei unglaublich, wie der Neonazimarsch durchs Brandenburger Tor.

Da schämte sich der Berliner und fand sich, wie er nie werden wollte: abgebrüht. Denn ich konnte nur begähnen, was Schwaben noch schockiert.

Selbstverständlich soll das alpine Bildnis provozieren. Bei näherer Betrachtung liest man Kleingedrucktes: Holocaust-Leugner gebe es viele. "In 20 Jahren könnten es noch mehr sein. Spenden Sie für das Denkmal der ermordeten Juden Europas." - Zunächst wohl eher für die Kosten dieser wahrhaft flächendeckenden Kampagne.