Wir, die liberalen Intellektuellen, haben euch daran gehindert, ein paar barfüßige Rebellen zu besiegen! Das schleudert die Pazifistin Jane Fonda dem General Norman Schwarzkopff entgegen, als er bestreitet, in Vietnam militärisch versagt zu haben. Eine Dolchstoßlegende hätten sich die Militärs zurechtgemacht, die Schuld den Hippies zugeschoben, um ihr eigenes Scheitern zu bemänteln. Der General holt zu einem mächtigen Schlag aus - aber nicht mit der Faust gegen Jane, sondern mit dem Schläger gegen einen Ball.

Die Szene ist ein Golfplatz in der Wüste, wo Norman und Jane sich vor Fernsehkameras ein Rededuell liefern, während CNN-Chef Ted Turner im Hintergrund seine Assistentin flachlegt und um die Quoten bangt. Die schießen in traumhafte Höhen, als ein Terroristentrupp unter Führung des legendären Carlos live dazustößt, den General und die Schauspielerin als Geiseln nimmt und einen Volksprozess gegen den US-Imperialismus anstrengt. Als sich herausstellt, dass alles ein Fake ist, dreht Norman durch und vergießt echtes Blut.

Der Zynismus der Medien wird gerne angeprangert, vor allem in den Medien selbst. Vom Vietnamkrieg heißt es, er sei durchs Fernsehen beendet, vom Golfkrieg, er sei dort verharmlost worden. Beide Thesen werden von Norman und Jane als Waffen im Wortgefecht eingesetzt - bis Carlos mit (scheinbar) echtem Schießeisen dazwischenfuchtelt. Am Ende erweisen sich Krieg und Kamera als vom selben Stamm: Sie leben vom Schrecken, und sie brauchen die Inszenierung.

Jane und Norman finden Gefallen aneinander. Sie wittern ihre Verwandtschaft.

Und selbst der Terrorist Carlos gehört irgendwie mit zur Familie.

Der Witz an diesem Stück Fernsehen übers Fernsehen ist, dass es vom Theater stammt. Mit Einfühlung und Intelligenz haben die Macher die lange Geschichte der Medien in ihre Message eingebaut. Die Golfplatzszene mit der Geiselnahme fand ursprünglich im Oktober letzten Jahres im Theaterhaus Gessnerallee in Zürich statt. Jetzt hat der Autor Samir sein Stück mithilfe des Schweizer Fernsehens auf den Bildschirm übertragen und kaum einen Trick des elektronischen Mediums ausgelassen. Der geteilte Monitor ist Pflicht, stört aber nicht, da eine zuschauerfreundliche Rhythmisierung der Bildfolgen mit der latenten Überforderung, die in der Mehrfachperspektive liegt, versöhnt.

Der Wechsel der Einstellungen, die Großaufnahmen als bewegte Porträts, die fernsehtypischen Action-Sequenzen - all das gibt dem Zuschauer eine genügend große Auswahl und Variation seiner visuellen Gewohnheiten, sodass er die Dialogfestigkeit des Films samt ihren psychologischen Subtilitäten gern schluckt. Durch den Schauplatz kommt sogar das Schlachtfeld von Normans letztem großen Auftritt mit ins Spiel. Ein enormes Medien- und Kriegsfeuerwerk wird da vor den Augen des verstörten Publikums abgebrannt: Kampf, Show, Tod, Lüge, Ideale und Geschäfte - alles funkelt und knattert, vorgeführt durch glänzende Darsteller (Tatja Seibt als Jane, Norbert Schwientek als Norman und Walter Andreas Müller als Ted) in einer farbenprächtigen Apokalypse vor schwarzem Himmel.