Oben, auf Niklaus Langeneggers Bergwiesen, könnte man einen Werbefilm für ökologische Landwirtschaft drehen. 28 braunweiße Kühe sonnen sich vor dem neuen Stall aus Holz, kleine Schweine suhlen im Matsch, Kälber liegen in dicken Strohbetten. Langeneggers liefern Biomilch an eine Käserei unten im Dorf Trubschachen, in der Nähe der Schweizer Hauptstadt Bern. Mehr als einen Franken pro Liter bekommen sie. Wer nicht nach den Biorichtlinien wirtschaftet, erhält immerhin noch 80 Rappen, ein deutscher Bauer dagegen nur etwa 58 Pfennig.

Bis zur BSE-Krise hätte man Langeneggers Hof in der EU als Auslaufmodell oder Nische bezeichnet: zu viel Handarbeit, zu wenig Milchleistung. Während eine EU-Kuh an die 10 000 Liter pro Jahr liefert, bringen es Langeneggers Tiere auf nur 6000 Liter. In der Schweiz sorgt vor allem der Staat für das Wohlergehen der Biobauern. Über Direktzahlungen, gekoppelt an einen ökologischen Leistungsnachweis, entlohnt er die Bauern für umweltfreundliche Landwirtschaft.

Die deutschen Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen für Bioprodukte sind immer noch so lückenhaft, dass viele Biobauern ihre Produkte oft zum niedrigeren Preis verkaufen müssen, der für konventionelle Erzeugnisse gilt.

In der Schweiz hingegen gibt es viele kleine Molkereien, denen die Umstellung auf Bioproduktion leichter fällt. Solch einen Betrieb führen die Brüder Götschi in Trubschachen. Ihr Vater hatte Biokäse noch für eine kurzlebige Mode wie Light Food gehalten, doch die Söhne, unterstützt von Bauern wie Langenegger, setzten sich durch. Seit 1995 verkaufen sie Bio-Greyerzer an einen Großabnehmer, der vor allem den Einzelhändler Migros beliefert. "Wir verarbeiten gut eine Million Liter Milch. Doch könnten wir das Dreifache an Käse verkaufen, wenn wir nur mehr Milch bekämen", sagt Martin Götschi.

Die beiden großen Lebensmittel-Handelsketten Migros und Coop beherrschen 70 Prozent des Schweizer Marktes, in ihren Regalen sind die heimischen Produkte mit besonderen Labels gekennzeichnet. Die Käufer sollen wissen, dass sie teurer sind, weil die Bauern hohe Auflagen einhalten. "Unser Bio-Greyerzer ist wie eine gute Schweizer Uhr im Vergleich zu einer Swatch aus Plastik", sagt Langenegger. "Das macht sich bezahlt."

Zu hohe Preise waren schädlich

Als er mit seinen Kollegen eine Käserei in Frankreich besuchte, stellte er überrascht fest, dass sein Rohmilchkäse in der EU verboten wäre. In Trubschachen lagern die 30 Kilo schweren Laiber auf dicken Holzbrettern, die EU schreibt Stahl zur Käselagerung vor. "Auf Stahl würde unser Käse nicht gelingen", sagt Langenegger. Auch der französische Comté nicht: "Dass die Käserei ihn trotzdem auf Holz lagert, ist eigentlich illegal." Für einen möglichen EU-Beitritt der Schweiz hätte er deshalb Bedingungen: "Von mir aus können wir sofort beitreten - aber nur, wenn wir italienische oder französische Kontrolleure bekommen."