Thomas Fischermanns Artikel empfinde ich aber als deutlich zu oberflächlich. Er vereinfacht zu stark und führt Argumente an, die einfach nicht schlüssig erscheinen. So zum Beispiel, wenn er die Abhängigkeit der Staaten von Weltkonzernen, insbesondere von Standortentscheidungen, abstreitet: Konzerne sollen auf Staaten angewiesen sein, weil sie staatliche Dienstleistungen, wie zum Beispiel Rechtsschutz, brauchen. Aber darum geht es gar nicht. Kann ein Staat verhindern, dass sich ein Konzern für einen anderen Staat als Standort entscheidet, weil dort schwächere Umweltauflagen oder arbeitgeberfreundlichere Gesetze gelten? Und das ist doch genau der Punkt: Will ein Staat wirtschaftlich prosperieren, so muss er sich dem zwischenstaatlichen Wettbewerb um wirtschaftsfreundliche Politik beugen. Tut er das, so verliert er einen Teil seiner Souveränität, für uns bedeutet das ein Verlust an Demokratie. Tut er das nicht, so drohen ihm Arbeitslosigkeit und Finanzkrisen. Die momentane Situation in Deutschland zeigt mal wieder deutlich, wie innenpolitische Erfolge von der Verfassung der Wirtschaft abhängen.

Ulrich Galster, per E-Mail

Ob die Globalisierung tatsächlich existiert, ist fraglich: Ihre Existenz wird gemeinhin mit dem quantitativen Anstieg der weltweiten Warenströme begründet, nicht mit dem Welthandel als solchem. Der überwiegende Teil der Zunahme von Warenbewegungen, die das deutsche Wirtschaftsgebiet berühren, betrifft jedoch den europäischen Raum. Die Wirtschaft ist nicht globalisiert, sondern europäisiert.

Ob der Neoliberalismus als herrschende Ideologie existiert, ist leider überhaupt nicht fraglich, sondern Fakt. Deutschland ist vom Neoliberalismus in den "Unternehmerstaat" geführt worden, in dem unternehmerische Wertvorstellungen dominieren. Dass der Staat, wenn er denn wollte, mit diesem Unsinn Schluss machen könnte (wie Herr Fischermann betont), behaupten zu Recht auch die "Globalisierungsgegner". Der Staat will (wenn überhaupt) jedoch nur dann, wenn auch die Gesellschaft und die Medien wollen. Da aber liegt das Problem. Die deutsche Medienwelt befindet sich in einem rauschähnlichen Zustand. Bestes Beispiel ist die ZEIT selbst. Beleg: "Ich bin o. k., wir sind o. k." von Josef Joffe in der ZEIT vom 2. November 2000.

Darin heißt es: "Der Krach" der EU mit den USA "um Bananen, Hormonfleisch und Irak-Sanktionen schwelt weiter, aber warum sollte er eskalieren in einer Welt, in der DaimlerChrysler und nicht die balance of power den Ton angibt?"

Neoliberalismus pur, allerdings in einer extremen und deshalb die Grenze der Verfassungsfeindlichkeit erreichenden Art: Während ich als Verfechter der westlichen Demokratie in früheren Zeiten die marxistische These, das Kapital und nicht die von Parteien in Parlamenten und Regierungen gemachte Politik regiere die westliche Welt, als beinahe verleumderisch zurückwies, ist die frühere marxistische Schmähung von den heutigen, die intellektuelle Welt Deutschlands fast völlig beherrschenden V ertretern des Neoliberalismus gleichsam zur Programmatik und damit zur Tugend erhoben worden.

Andreas Trupp, per E-Mail