Wer vom Norden Europas in den Süden Afrikas fährt, wie es der schwedische Autor Henning Mankell seit Jahren gewohnt ist zu tun, reist in ein Land des gleißenden weißen Lichts und findet sich, wenn er zurückkommt, in einer Welt wieder, über der Schatten liegen, die von Wolken oder auch nur der Stimmung.

Hier wird ein lebloser Körper auf einem lehmigen Acker gefunden, oder ein junges Mädchen steckt in einer Hochspannungsanlage, verschmort

es passieren also jene grausigen Morde, die Mankells Kommissar Wallander mit scharfer Logik aufklärt, ohne das es ihn freudig stimmen könnte. Dort aber, in Afrika, an dessen Horizont die Menschen langsam wie Punkte auftauchen und ebenso gelassen wieder verschwinden und wo das Gefühl von Raum und Zeit in einem Rhythmus von Hitze und Abkühlung pulsiert, dort macht Mankell sich die Lebenden zum Thema.

Mankells Bücher, die in Afrika spielen, von denen Die rote Antilope das vierte und in diesen Tagen auf Deutsch erschienen ist, sind leidenschaftliche Plädoyers, die Agonie des Schwarzen Kontinents wahrzunehmen. Dahinter steht die Hoffnung auf eine andere, bessere Zukunft. Aber sei es, dass dieser Gedanke im Vergleich zu den Ausmaßen Afrikas und seines Leids zu vermessen sei oder dass Henning Mankell von der düsteren Gemütslage seines Wallander infiziert wäre, diese Bücher geraten ihm zu Dokumenten der Verzweiflung.

Zwei Schwestern, die auf eine Mine treten, das waren Sofia und Maria, in Das Geheimnis des Feuers. Ein Straßenjunge verblutet über Tage inmitten einer afrikanischen Großstadt auf einem Dach und erzählt sein Leben: Der Chronist der Winde. Ein Kind kauert wie ein Tier in einer Kiste. Das ist nun Molo, ein vielleicht Achtjähriger, der bei einem Massaker übersehen wurde. Mankell schreibt das Jahr 1877, der Ort ist eine Handelsstation in der Kalahari-Wüste. Das schwarze Kind wird in die Obhut eines weißen Insektenforschers geraten, der es adoptiert und mit nach Schweden nimmt.

Damit es überlebe.

Ein schwarzes Kind, entführt in den schwedischen Winter, damit es lebe. Ein weißer Mann, der aus Schweden in die Wüste geflohen ist, damit er dort einen Grund für sein Leben finde.