Manfred Korfmann schien am Ziel seiner Wünsche. Rund eine viertel Million Menschen haben in diesem Jahr die große Troja-Ausstellung in Stuttgart gesehen, die der Chefausgräber auf dem heute türkischen Hügel Hisarlik wesentlich mitkonzipiert hat - zurzeit wird die archäologische Leistungsschau in Braunschweig gezeigt. Über Monate war ihr breite Medienbeachtung sicher.

Vor den Toren Trojas soll jetzt ein Museum entstehen, das die Funde aus den Grabungen des Korfmann-Teams seit 1988 aufnimmt. Der erste Spatenstich ist für Ende nächsten Jahres geplant.

Doch jetzt werfen Althistoriker und Archäologen dem Tübinger Prähistoriker vor, er habe seine Funde aufgebauscht, um die Bedeutung seiner Grabungen zu überhöhen. Der Tübinger Althistoriker Frank Kolb spricht von "Irreführung der Öffentlichkeit", nennt den weltweit einzigen Lizenzinhaber für die Troja-Grabungen gar einen "Däniken der Archäologie".

Dass die Burg Troja zu Zeiten von Homers Trojanischem Krieg (1700 bis 1200 vor Christus) von einer dicht besiedelten Unterstadt umgeben war, hält Kolb für ebenso wenig bewiesen wie die Behauptung, der Ort sei ein großes Handelszentrum gewesen. Korfmann betreibe "Science-Fiction".

Mit dem Mythos Troja hat Korfmann immer gespielt. Zwar wollte er nie mit dem Mecklenburger Amateurarchäologen Heinrich Schliemann in einen Topf geworfen werden, der mit der Ilias in der Hand überzeugt war, er grabe auf Hisarlik das Troja Hektors und Kassandras aus. Doch ließ Korfmann mit den Jahren durchblicken, dass seine Grabungsbefunde für einen "historischen Kern" der Ilias sprächen. Als sein Team 1993 einen 400 Meter von der Burg entfernten, in Stein gehauenen Graben freilegte, stand für ihn und seine Mitstreiter fest, dass dies die Grenze für die Unterstadt war. Bis dahin hatte das Ruinengelände von Troja VI (1700 bis 1300 vor Christus) nur die Ausmaße eines Fußballfeldes gehabt. Absurd, dass das stolze Troja nur ein winziger Herrensitz gewesen sein sollte.

Nun aber umfasste das Grabungsfeld plötzlich 270 000 Quadratmeter - ein standesgemäßes Areal. Auch tauchten jetzt immer mehr Indizien dafür auf, dass Homer, als er den Kampf zwischen Griechen und Trojanern beschrieb, nicht nur einen Mythos zum ersten Kriegsbericht des Abendlandes machte, sondern mündlich überlieferte historische Ereignisse aus der Bronzezeit in seinem Epos verarbeitet hatte. "Die Übereinstimmungen der Grabungsergebnisse mit den entsprechenden Beschreibungen in der Ilias sind überraschend", schreibt Manfred Korfmann im Katalog zur Troja-Ausstellung Traum und Wirklichkeit.

Wissenschaft oder Fiktion?