Alle Welt ist schwanger. Zumindest kommt mir das so vor. Alle reden darüber, auch die, die es nicht sind. Es ist wieder in, schwanger zu sein. Den radikalen Imagewandel hat eine Hand voll Prominenter herbeigeführt. Gabi Bauer, Laetitia Casta, Jennifer Lopez und Steffi Graf, die durch ihr mehr oder weniger synchrones öffentliches Mutterglück dafür gesorgt haben, dass dicke Bäuche derzeit gepiercten Bauchnäbeln den Rang ablaufen. Das Quartett steht für Klugheit, Schönheit, Sex-Appeal und Sportsgeist, alles Eigenschaften, die man bisher nicht gerade zwingend mit Schwangeren in Verbindung gebracht hätte. Jetzt können wir darauf warten, dass der erste Designer aufklebbare Kugelbäuche herausbringt. Wobei der Schwangerenstatus eindeutig gefragter ist als das tatsächliche Mutterglück. Einige verwirrte Titelgeschichten riefen gleich den neuen Trend zur Übermutter aus, die begeistert ihren Job schmeißt, um sich ganz ihrer eigentlichen Bestimmung hinzugeben. Als Beispiel werden stets Multimillionäre wie Madonna, Nadja Auermann und eben Steffi Graf angeführt. Die haben es zwar weiter gebracht als die meisten Menschen auf diesem Planeten, müssen aber trotzdem als Karriereabbrecherinnen herhalten. Das mit dem neuen Mutterglück ist natürlich Schwachsinn. Sein Leben wegen eines Kindes total umzukrempeln ist ja auch gar nicht nötig bei den wundervollen Hilfsmitteln, die für die Karrieremuttis entwickelt werden.

Da gibt es zum Beispiel die Kinderzimmerwebcam Eine glorreiche Erfindung, die hierzulande die Firma Easypay in Augsburg anbietet. Mithilfe einer Überwachungskamera, die in Nachwuchsnähe installiert wird, kann die arbeitende Frau vom Computer aus ihr Baby live beobachten, ohne kostbare Arbeitszeit dafür opfern zu müssen. 7000 Mark kostet die Gewissensberuhigung, die in den USA schon begeistert genutzt wird. Noch besser ist eine Entwicklung, an der eine Forschergruppe der Berliner Humboldt-Uni werkelt.

Sie will einen Roboter zur Serienreife bringen, der den Sprössling komplett betreut. Essens- und Schlafenszeiten werden programmiert. Und falls die Maschine einen Fehler macht, etwa das falsche Ende des Babys füttert, kann die Mutter per Lautsprecher eingreifen. Einziger Haken, aber gewiss für Wissenschaftler keine unüberwindbare Hürde: Noch sieht der Roboter aus wie ein unförmiger Servierwagen. Skeptiker wenden ein, dass das Baby dadurch eine unkorrekte Vorstellung von einer Mutter bekommen könne.

Die Autorin moderiert und leitet das TV-Magazin Polylux, jeden Montag um Mitternacht in der ARD