Goldie - so nennen Menschen Goldhamster. Gewöhnlich lebt Goldie in einem Drahtkäfig. Nachts dreht Goldie im Laufrad seine Runden. Vielleicht treibt ihn das Meditative im mechanischen Vorgang. Wahrscheinlich ist der Hamster bloß zu dämlich, um zu erkennen, dass er auf der Stelle tritt. Und wenn einmal jemand die Käfigtür offen gelassen hat und Goldie neugierig herausklettert, dann währt die Freiheit nicht lange. Nur zu oft verkriecht sich das Tier hinter einen Schrank und bleibt dort stecken.

Warum das Ehepaar Hawn seiner Tochter einen Hamsternamen gab, ist nicht bekannt. Sie dachten wohl nicht an Käfig, Laufrad und frühen Tod hinter der Schrankwand, sondern eher an ein ewig süßes kleines Mädchen mit goldenem Lächeln und goldenem Haar. Genau dazu wuchs Goldie Hawn heran. Als sie nach Hollywood ging, drohte ihr dennoch das Los eines Goldhamsters.

Noch nicht 20, rackerte sich Goldie Hawn als Go-go-Tänzerin ab, bis sie 1968 für die TV-Show Rowan & Martin's Laugh-In engagiert wurde. Wie ein blondes Bonbon sah sie aus, eingewickelt in buntes Knisterpapier. Dazu Scheinwerferaugen und ein Mund, der aufgeklappt einen ganzen Zaun weißer Zähne entblößte.

Ein bisschen dumm, ein bisschen verrückt, ein bisschen sexy - mit diesem Image versuchten es damals Tausende. Goldie Hawn war clever genug, sich mit einer schlichten Begabung abzuheben: einem goldigen Kichern, das sie jederzeit an- und ausschalten konnte. Sobald die Kamera anging, wusste ich, was zu tun war: loslachen, sagte sie später in einem Interview. Dieses Lachen gehört mir für immer und ewig. Es ist mein Jackpot.

Das Gickeln verschaffte ihr 1969 die erste Rolle in einem richtigen Hollywoodfilm. Eine Nebenrolle zwar, im Schatten von Walter Matthau und Ingrid Bergman, aber Goldie nutzte ihre Chance. Bergman verkörperte Die Kaktusblüte, in stiller Liebe ihrem heiratsscheuen Chef Matthau ergeben, Hawn spielte dessen Geliebte, ein aufgedrehtes Gänseblümchen, darauf aus, den reifen Zahnarzt samt Praxis zu ehelichen.

So überzeugend war Goldie Hawn als Hippie-Hühnchen, dass das goldene Mädchen für seine Leistung einen goldenen Oscar bekam - und von da an auf die immer gleichen Rollen des liebenswert hilflosen Blondchens festgelegt wurde. Sie steckte im goldenen Hollywood-Hamsterkäfig, mühte sich und kam doch nicht vom Fleck. Erst 1974 ermöglichte ihr ein unbekannter Regisseur namens Steven Spielberg die Flucht. In seinem Film Sugarland Express spielte Goldie eine junge Frau aus der Unterschicht, die mit allen Mitteln versucht, ihr Kind von der Fürsorge zurückzuholen. So gar nichts Goldiges hatte diese Figur. Viele Kritiker halten die Rolle für Hawns beste.

Geld brachten weiterhin sinnfreie Komödien. Seit 1980 verdient Hawn daran außer als Schauspielerin auch als Produzentin und leistet sich von Zeit zu Zeit eine ernste Rolle wie etwa 1991 im Thriller Getäuscht.