Ein Neubau nach der Sprengung des Palastes der Republik ist Siegerarchitektur. Der Palast ist ein Baudenkmal und Wahrzeichen der DDR, wer ihn abreißt, stellt sich auf die gleiche Ebene wie die DDR, die ebenfalls ein Gebäude, das nicht in ihr neues Deutschland passte, zerstörte.

Auch wenn der Palast der Republik keine architektonisch-ästhetische Schönheit ist - das Schloss war auch nur in seinen den Linden zugewandten Seiten einigermaßen ansehnlich. Gefordert wird ja immer der Wiederaufbau der Schlüter- und Eosander-Seiten und -Portale. Über die Süd- und Ostseite wird im Allgemeinen nicht so euphorisch gesprochen. Warum nur? Sie waren einfach - nun ja: hässlich!

Der Vorschlag, im (Schloss-) Neubau Museen unterzubringen, stößt allgemein auf Zustimmung: das Zentrum Berlins als Zentrum Deutschlands als Zentrum der Kultur. Deutschland wäre damit nicht mehr die Nazi-, sondern wieder die Kulturnation! So faszinierend und einzigartig diese Museen sein mögen: Das Zentrum Deuschlands ist damit retrospektiv, es besteht aus konserviertem leblosem Material und zeigt keinerlei Offenheit oder Neugier auf die Zukunft.

Die Ballung von Museen im Herzen Deutschlands hat noch eine weitere Folge: Nach 20 Uhr (donnerstags 22 Uhr) findet Deutschland nicht statt. Berlins Mitte braucht als Repräsentantin des Landes aber Leben! Also Veranstaltungsräume - wie im Palast der Republik. Wenn der Bau auch nicht schön ist: Sein Konzept stimmt!

Tobias Feilen, Mainz

Ihr Autor hat viele schöne Worte gefunden, um deutlich zu machen, was aus seiner Sicht alles hinter dem Streit um Berlins Stadtmitte liegt. Dabei kann es doch auch ganz einfach sein: Mit dem Palast der Republik steht erst einmal ein annehmbares Gebäude dort. Mir muss immer noch jemand erklären, was an ihm so scheußlich ist, dass es den sofortigen Abriss verlangt.

Natürlich füllt er den Schlossplatz nicht aus, aber man sollte hoffen, dass die Architekten unserer Zeit darauf auch eine Antwort aus unserer Zeit finden. Alte Ansichtskarten mögen nicht sehr aussagekräftig sein, aber sie zeigen für mich nun einmal keinen Grund, weshalb dieser graue, hässliche Klotz namens Schloss hier wieder entstehen sollte. Und für mögliche Museumssammlungen kann ein Neubau wohl mindestens genauso geeignet sein.