"Pass auf, gleich find ich dich", ruft das Mädchen, "du weißt, im Dunkeln bin ich unschlagbar." Und dann geht sie los, Schritt für Schritt tastend und doch entschlossen. Die blinde Carla (Francesca Pipoli) spielt Verstecken mit dem Großvater (Paolo Villaggio)

doch diesmal endet das Spiel mit einem Herzanfall des alten Giuseppe, und er erkennt, dass ihm kaum noch Zeit bleibt für seine Aufgabe. Eine Hornhauttransplantation soll Carla helfen, dafür fehlt Geld, deshalb treten die zwei eine Reise von Apulien aus in die Schweiz an. Das Road-Movie mit dem wundersamen Paar heißt Azzurro, nach Carlas Sehnsuchtsfarbe Blau. Der Alte mit Kugelbauch und Vollbart und die stämmige Kleine mit der übergroßen Ernsthaftigkeit kommen allerdings nur umständlich voran, und so wird ihr Tempo zum Tempo des Films. Wobei langsam nicht langweilig heißt, das verhindert der betont abrupte Szenenwechsel. 30 Jahre, so erzählt Giuseppe der Enkelin, hat er in Genf gearbeitet und hofft nun auf Geld von seinem damaligen Chef. "Signor Broyer" wird zur Lichtgestalt, zum Rettungsengel, zur Zauberformel der Reise - und entpuppt sich schließlich als armer Narr. Giuseppe muss sich eingestehen, dass er, statt in Italien bei Frau und Kindern zu leben, viele Jahre in einem fernen Land vertan hat, das ihm fremd blieb und in dem er als Fremder behandelt wurde. "Dann warst du so was wie ein Albaner?", fragt das Kind und bringt so eine Lebenslüge auf den Punkt. In klaren, schlichten Bildern erzählt Regisseur Denis Rabaglia vom Verlust der Heimat gestern und heute, von entwurzelten Familien und der Macht der Verdrängung - aber ebenso von Freundschaft und Vertrauen. Am Ende erfährt Carla dann doch noch, wie "Azzurro" leuchtet. Und auch Giuseppe hat neu zu sehen gelernt.