Bettina Bremme: Movie-mientos. Der lateinamerikanische Film: Streiflichter von unterwegs

Schmetterling Verlag, Stuttgart 2000

314 S., Abb., 49,80 DM

Filmliteratur ist frustrierend. Je näher sie ihrem Gegenstand kommt, desto stärker fehlt er selbst. Wo ein filmisches Werk erfasst ist, will man es gleich sehen oder wiedersehen. Der Text ist immer: ungenügend. Um wie vieles mehr gilt das bei Büchern, die sich auf einen entlegeneren Kinomarkt begeben - und um wie vieles dankbarer muss man sein, dass es sie trotzdem gibt. Kaum eine Hand voll Filme aus Lateinamerika kommt jedes Jahr in den deutschen Verleih, nur kubanische Komödien haben derzeit gute Chancen. In Bettina Bremmes Buch kann man nachlesen, was es sonst noch gibt und gegeben hat.

Bremme begleitet das lateinamerikanische Kino von dessen politischem Aufbruch in den Sechzigern bis ans Ende der Neunziger. Brasilien und Kuba bekommen eigene Kapitel. Ansonsten bündelt die Autorin thematisch, sucht in den Filmen nach der "kulturellen Identität" Lateinamerikas, besichtigt das politische und, wenn man so will, postpolitische Kino vieler Länder, besieht sich die Geschlechterverhältnisse genauer und schreibt auch über den "fremden Blick", mit dem europäische Dokumentationen und Hollywood-Melodramen dem Kontinent begegnen. Bremme kreuzt elegant über Ländergrenzen hinweg und durch die Jahrzehnte

Motive, Traditionen und ästhetische Strategien werden ganz zwanglos klar und klarer. Nur schreibt sie selbst nicht sonderlich elegant, eher etwas ausgetreten und lax, und mitunter bedauert man auch den Verzicht auf eine zweite theoretische Zündstufe. Trotzdem bleibt die Lektüre frustrierend im bestmöglichen Sinn: Wie gern sähe man jetzt eine begleitende Retrospektive. Leider wird es sie nicht geben.