Und plötzlich war Schluss. Trotz aller Beteuerungen, aller Durchhalteparolen, aller Dementis: Nach kurzem, bewegtem Leben wird kommenden Freitag einer der Planeten aus der Verlagsgruppe Milchstraße zum letzten Mal aufleuchten, schrumpfen und in ein anderes Sonnensystem wandern. Dann wissen auch die letzten Sterngucker: Net-Business war kein Fixstern an Dirk Mantheys Verlagshimmel.

Dabei war Manthey bis zuletzt fast schon obsessiv zuversichtlich: "Einstellen? Never ever!", betonte er im März gegenüber dem Branchendienst kress report. "Net-Business ist mit 14-täglichem Erscheinen praktisch in den schwarzen Zahlen." Im Mai lautete sein Mantra: "Net-Business wird mit Sicherheit weder verkauft, teilverkauft, noch eingestellt." Sogar in der Hauszeitschrift Milky Way stand noch vor knapp zwei Wochen, dass man an dem Blatt festhalten werde. Und mit Focus wettete Manthey: "Wir werden an Net-Business noch viel Spaß haben."

Für die Lacher muss ab sofort ein anderer sorgen. Peter Turi, Mitinhaber und bis vergangenen Dienstag Geschäftsführer des Internet-Unternehmens ihaus, hat den Titel Net-Business von Manthey gekauft. Damit steht der erfolgsverwöhnte Lifestyle-Verleger ohne sein seriöses Blatt da. Mit dem ehrgeizigen Projekt einer Wirtschaftszeitung für die Internet-affine Leserschaft wollte er zeigen, dass er nicht nur Hochglanzmagazine kreieren kann. Dotcom-Sterben und Anzeigenflaute holten ihm den Stern vom Himmel.

Dirk Manthey war die Lichtgestalt der deutschen Verlagslandschaft, seit er mit 21 Jahren die Kinozeitschrift Cinema gegründet hat. Er galt als frisch und erfolgreich, beinahe als ein kleines Genie. Und was noch viel wichtiger war: Die Werbewirtschaft liebte ihn und seine Verlagsgruppe Milchstraße, benannt nach der ersten Firmenadresse im Hamburger Stadtteil Pöseldorf. Was Manthey vorschlug, wurde ein Erfolg. Fit for Fun, Amica, die "Cash-Cow" TV Spielfilm und das am Anfang popkultige, fast schon avantgardistische Max trafen exakt des Werbers liebste Zielgruppe, die Anzeigen mussten nach einer kleineren Anlaufphase lediglich eingesammelt werden.

"Cinema" erlebt ein Horrorjahr

Doch nun werden allerorten die Werbebudgets gekürzt, und nicht einmal "Siegfried" Manthey bleibt verschont. Die Bewohner der Milchstraße, jahrelang von Erfolg und Wohltaten wie kostenloser Fitnessclub-Mitgliedschaft verwöhnt, müssen sich nun dem Unvorstellbaren stellen: ein ganz gewöhnlicher Verlag zu werden.

Die Flaute trifft das jüngst auf den Marktführer stern ausgerichtete Ex-Lifestyle-Magazin Max zu einem Zeitpunkt, der ungünstiger gar nicht sein könnte. Fand es früher durch eine Mischung aus Provokation und Konsum begeisterte Verehrer oder vehemente Kritiker - wie einst der twen zu Beginn der sechziger Jahre -, sollte das Heft nun zur Illustrierten werden: die Themen breit gestreut, um neue Leser und Anzeigenkunden zu gewinnen. Doch "in Zeiten, in denen die etablierten Titel leiden, rennen sie einem Neuling nicht die Tür ein", bestätigt Lutz Zimmermann, der für den Vertrieb der Verlagsgruppe zuständige Geschäftsführer. "Wir haben alle Voraussetzungen.