An dieser Stelle wird normalerweise gern gejammert und angeprangert.

Heute erlauben wir uns den Hinweis auf eine positive Entwicklung, die nie so recht gewürdigt wird. Gemeint ist die grundsätzlich erfreuliche Situation von Frauen in Deutschland. Beginnen wir im Kleinen:

Zwei Bundestags-Babys, die bei eiligen Abstimmungen dem Saaldiener in die Arme gedrückt werden, gibt es schon. Und zwei weitere Abgeordnete sind gegenwärtig schwanger. Daraus kann man keinen Trend ableiten, auch keinen "neuen Mutterkult": Statistisch betrachtet, bekommen Frauen in Deutschland ihre Kinder weiterhin spät und selten. Das Auftauchen der Schwangeren im profipolitischen Ambiente zeigt etwas anderes: den dramatischen Wandel des Parlaments. Vor zwei Generationen war es eine Altherrenbastion

heute sind ein Drittel der Abgeordneten Frauen. Das ist ein Verdienst der Quote (Grüne 1986, SPD 1988). Man muss kein Freund dieser Regelung sein, um einzuräumen, wie wirkungsvoll sie war. Keine Partei, keine Stiftung, kein Verband kann es sich mehr leisten, als frauenfeindlich zu gelten. Die Medien, wenn sie auch selbst wenige Chefinnen hervorgebracht haben, lieben "junge, freche" Frauen im politischen Alltag: das Ute-Vogt-Syndrom. Jüngere Männer sind dagegen unter Trendgesichtspunkten die reinsten Ladenhüter.

Freiheit für das eigene Leben

In nahezu jeder Hinsicht geht es jungen Frauen heute besser als ihren Müttern und Großmüttern. Sie haben, durch verfügbare Verhütungsmittel und ein liberales Abtreibungsrecht, die Reproduktion unter Kontrolle. Bis in die CSU hinein ist es mittlerweile Konsens, dass Frauen arbeiten sollen, wenn sie wollen. Alle Zeichen stehen auf Wahlfreiheit. Die Gesellschaft unternimmt erhebliche Anstrengungen, den Eltern die Kinder während des Tages abzunehmen (für die Kinder mag das unterschiedlich angenehm sein). Wer in der Ehe lieber Hausfrau bleibt, wird dafür nach der jüngsten Entscheidung des BGH im Scheidungsfalle nicht mehr finanziell bestraft. Zudem fühlen sich inzwischen über 60 Prozent der Männer als "Erzieher", nicht allein als Versorger. Wer so von sich redet, wird sich eines Tages vielleicht auch entsprechend verhalten.

Die Bildungsvoraussetzungen der Mädchen sind ohnehin besser als die der Jungen. Ein Viertel des weiblichen, aber nur ein Fünftel des männlichen Nachwuchses macht Abitur.