Am 25. November 1933 wurde das Reichsrabattgesetz gegen das Gefeilsche erlassen, gegen den artfremden Händlergeist der liberalistischen Systemzeit und die jüdische Krämerseele. Ein Traum. Babel 2001. Ein Turm aus Konservenbüchsen, davor die deutsche Seele, die schreit: Rabatt! Rabatt!

Und dann zieht einer am Teppich ... Der Turm stürzt, die Seele rennt, hilft aber nichts, sie wird von hinten gepackt und in die Tiefe gezogen. Ein ganzes Volk schreckt schweißnass aus dem Schlaf. Am 25. Juli 2001 wurde das Rabattgesetz von 1933 ersatzlos gestrichen.

Wer feilscht, der sündigt nicht. Die Kunden können nun über Preise verhandeln, die Händler ihren Waren Geschenke beigeben. Klingt gut.

Eigentlich sollten sich nur die Händler fürchten. Tun sie auch. Nach Feierabend stählen sie ihre Mitarbeiter gegen Krieger Kunde, gegen den Allzeitfeilscher. Aus dem Hinterzimmer einer schicken Schwabinger Boutique höre ich Sprechgesänge: Die Preise, die Preise / die gehen nicht auf die Reise / nix Basar, nix Orient / den Rabatt ha'm wir satt.

Seit Monaten lacht mich eine kleeblattgrüne Tasche an. Das verflixte Ding steht in einer dieser leeren Boutiquen mit den weiß-weißen Regalen und droht mir mit dem Preisschild. Böse, böse, Schnappverschluss. Ich radle vorbei.

Eine Plastiktüte tut's doch auch ... Doch diese Woche wage ich es. Die Verkäuferin ist allein, der Weg zur Tasche frei. Doch auf meine Bitte um Nachlass reagiert sie nervös und - leider - stur.

Tja, Herr Künneth, was würden Sie empfehlen, um die Tasche zu ergattern? Mit Sparkassencharme lächelt Herr Künneth von seiner Homepage. Feige Feilscher hoffen in seinem Seminar Handeln und Feilschen auf das Niveau eines Kamelhändlers zu kommen. Herr Künneth scheint ein Spezialist. Der Richtige für mich. Doch der Gedanke währt nicht lange. Denn Herr Künneth entlarvt sich als Doppelagent. Er unterrichtet auch auf der anderen Seite des Tresens - Verkäufer im Einzelhandel.