Oma erwartet acht Enkel, aber es kommen zehn. Also lässt sie soziale Gerechtigkeit walten und schneidet den Kuchen in kleinere Stücke. Just so stellt sich SPD-Fraktionschef Struck die Wirtschaftspolitik vor, als "Omökonomie". Zu viele, die keinen Job haben? Also rationieren wir die Arbeit in der Art des Backwerks, dann kriegt jeder etwas ab.

Ihn graulen zwei Milliarden Überstunden

notfalls, hat er dem Focus anvertraut, müsse die Politik mit einer "gesetzlichen Begrenzung" eingreifen.

Der Überhang aber ist entstanden, weil der Gesetzgeber längst eingegriffen hat: mit rigiden Kündigungsschutzregeln. Diese bringen den Unternehmer dazu, Überstundenprämien draufzulegen, anstatt Leute zu heuern, deren Entlassung im Abschwung noch mehr kosten würde. Wie schlecht das funktioniert, zeigt die französische 35-Stunden-Woche. Neue Arbeitsplätze entstanden, solange die Konjunktur florierte - und weil jeder neue Job den Steuerzahler 15 000 Mark kostete. Inzwischen flaut die Konjunktur ab, und die Arbeitslosigkeit steigt, derweil die Arbeiter über Selbstausbeutung klagen.

Arbeit ist eben kein Kuchen, der in beliebig kleine Stücke geschnitten werden kann - ebenso wenig, wie die Wirtschaft insgesamt wächst, wenn Güter rationiert werden. Ironisiert hat das schon der französische Ökonom Fréderic Bastiat, der vor 200 Jahren geboren wurde. Warum nicht Arbeit richtig rationieren - indem man die Leute zwingt, nur eine Hand zu benutzen? Oder ihnen die andere gleich abhackt? Josef Joffe