Kurt Schwitters: Catalogue Raisonné 1905-1922

herausgegeben vom Kurt Schwitters Archiv im Sprengel Museum Hannover, bearbeitet von Karin Orchard und Isabel Schulz

Hatje Cantz Verlag, Ostfildern

630 S., 398,- DM

Ordnung muss sein. Auch wenn es um einen Künstler geht, dem die Ordnung im Leben und Werk abhanden gekommen war wie Kurt Schwitters (und das lag nicht an ihm, sondern an der Zeit, in der er lebte), muss das Werk gesammelt und sortiert werden. Ordnung muss sein. Ein wunderbarer Widerspruch auch deshalb, weil Schwitters ja seine stille Freude hatte an dem Chaos der Welt, dessen Einzelteile er neu zusammenklebte. Ordnung muss sein. Die Kunstgeschichte verlangt es so, braucht für ihre Arbeit und zum Ruhme des Künstlers die Ausgabe letzter Hand, den Catalogue Raisonné. Der aber ist nicht nur ein Fall von Buchhaltung, sondern eine Möglichkeit, die Nachwelt das Staunen zu lehren. Der normale Kunstfreund kennt meist nur die Werke eines Künstlers, die ihn in die Umlaufbahn des Ruhms katapultiert haben. Die Dokumentation des ganzen Werks aber zeigt die Anfänge und Umwege, die Zweifel und das Scheitern, die dazugehören. Kunst ist eben nicht easy fun, wie die Dünnbrettbohrer des Zeitgeistes faul behaupten. Dass die Alternative aber nicht Blut, Schweiß und Tränen heißen muss, sieht man bei Schwitters, dessen Heiterkeit viele Risse hatte und mit harter Arbeit grundiert war. Nebenbei ein Multimedialer lange vor dem dürren Wort. Der erste Band eines dreibändigen Werkkatalogs ist jetzt erschienen, ein Opus magnum kunstwissenschaftlicher Gründlichkeit und verlegerischer Charakterfestigkeit.