In der Hollywood-Komödie What's Up, Doc? wird ein angeklagter Musikwissenschaftler von seinem Richter gefragt, ob er denn ein Radio reparieren könnte. Nein? Dann sei er unnütz und solle lieber den Mund halten.

Wie dieser Angeklagte, so fühlen sich die Geisteswissenschaftler schon lange.

Während die tüchtigen Biowissenschaftler am ewigen Fortschritt arbeiten, sind die Philosophen und Soziologen angeblich alte Tanten, die vorm Radio sitzen, das sie nicht reparieren können, und Socken stricken.

Wolfgang Frühwald, Präsident der Alexander von Humboldt-Stiftung und selbst fünf Jahre lang Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, hat gegen diese Vorurteile protestiert. Nun gibt's Krach im Haus der DFG. In einem Interview hat Frühwald die Kollegen von der Naturwissenschaft aufgefordert, ihre Karten auf den Tisch zu legen und zu erklären, welches Menschenbild sie eigentlich vertreten. Ein "christlich-kantianisches"? Oder ein "szientistisch-sozialdarwinistisches"? Frühwald beklagt eine Politik der kleinen Schritte und großen Heimlichkeiten. Millimeterweise würden moralische Grenzen verrückt, während die Kernfrage "Was ist der Mensch?" lauthals beschwiegen wird. "Es geht um viel mehr als um die Forschung an embryonalen Stammzellen."

Kulturkampf um Moral

Mag auch sein Wort vom "Kulturkampf" drastisch sein, Frühwalds Intervention war überfällig. Es ist sinnlos geworden, sich allein um die "Würde" einer befruchteten Eizelle zu streiten und die horriblen Aussichten zu verdrängen, die die Revolution der Biotechnologie auch eröffnet. Es ist sinnlos, über genmedizinische Naherwartungen zu streiten und die scheußlichen Utopien vom perfekten Menschen zu vergessen. Es ist sinnlos, über juristische Finessen zu streiten und dabei die Frage zu verdrängen, was es für das Zusammenleben der Menschen bedeutet, wenn die Gensubstanz von Ungeborenen nach den Wünschen der Eltern programmiert wird. Was ist, wenn die "eigene Natur" ein von Dritten entworfenes Design ist? Sind wir dann noch "Gleiche unter Gleichen"?

Mit gutem Grund protestiert Frühwald gegen Wissenschaftler, die Recht und Moral kurzerhand an die neuen Verheißungen anpassen wollen. Er widerspricht jenen, die eine für alle gültige Moral in einen Flickenteppich aus bunten "Moralen" auflösen und so zerstören wollen. Er widerspricht damit auch Hubert Markl, dem Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, der lieber heute als morgen die alteuropäische Moral deregulieren und der biotechnischen Revolution angleichen möchte. Offenbar war die "eine" Moral nur so lange gültig, wie das menschliche Genom noch nicht entschlüsselt war.